Akibas Beat Review: Wo bleibt denn der Beat?

Anime & Manga PlayStation Review
Release 19. Mai 2017
Genre JRPG
Plattformen PS4, PS Vita
Entwickler Acquire
Publisher Acquire, Xseed Games, PQube

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber als riesiger Anime Fan steht Japan definitiv auf meiner Reiseziel Liste. Und einer der Orte, der mich besonders interessiert, ist Akihabara, das Paradies aller Geeks und Nerds. Doch bis ich es endlich mal dorthin schaffe, mache ich mich einfach schon mal ein wenig mit dem Layout der Stadt vertraut, indem ich Akiba’s Beat auf der PS Vita spiele.

Arbeitsloser Held

In Akibas Beat übernehmt ihr die Rolle von Asahi Tachibana, einem sogenannten NEET (Not in Education, Employment or Training), der sich in seiner ganz eigenen Version von Und täglich grüßt das Murmeltier wiederfindet. Er trifft auf Saki Hoshino, der selbsternannten Auserwählten, und ihren treuen Begleiter Pinkun. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, Akihabara vor diesem schrecklichen Time-Loop zu befreien. Und natürlich brauchen sie Asahis Hilfe dabei (weil Videogame;D)

Asahi wie er leibt und lebt © Acquire

Passend zum Lifestyle Akihabaras stehen im Zentrum der Geschichte die vielen Otakus und sonstigen Geeks der Stadt. Einige von ihnen werden Opfer ihrer eigenen Wunschträume. Aus irgendeinem Grund werden diese plötzlich an diesem seltsamen Sonntag Realität und um die Stadt zu retten, müsst ihr die Tagträumer finden und wachrütteln.

Dazu müsst ihr quasi das Traumland des sogenannten Delusioners betreten, das Delusionscape. Dort müsst ihr dann nach dem Grand Phantasm suchen und diesen besiegen, um wieder Normalität herzustellen und Akihabara aus seiner Teufelsschleife zu befreien. Dazu spielt ihr zunächst mal Detektiv um den nächsten Tagträumer zu finden. Ihr könnt frei durch Akihabara laufen und euch mit einigen Leuten unterhalten. Da ihr in einem Time-Loop gefangen seid, ändert sich nicht allzu viel in der Stadt, lediglich die Delusioner haben ihr Zeitgefühl genau wie Asahi und seine Party-Mitglieder behalten, wodurch ihr sie von den anderen, „stillstehenden“ Bewohnern unterscheiden könnt.

Viele „neue“ Freunde

Die Main Story von Akibas Beat hat einige gute Ansätze und obwohl das Prinzip des sich wiederholenden Tages schon unzählige Male verwendet wurde, ist es nicht generell ein „langweiliger“ Ansatz, wenn man ihn gut umsetzt. Allerdings fühlt es sich bei Akibas Beat ein wenig unnötig draufgeladen an, da man durch die ganzen Delusions ja schon eine grundlegende Story hätte. Trotzdem ist es recht spannend gestaltet. Man wird als Spieler ohne große langwierige Einleitung ins Geschehen geworfen und möchte erfahren, was in Akihabara vor sich geht.

Asahi trifft auf Saki und ihr Maskottchen Pinkun © Acquire

Auch die Charaktere auf die ihr im Spiel trefft, und die zum Teil eurer Party beitreten haben ein super Design, vor allem, wenn man auf Anime Stil steht. Neben dem Main Plot gibt es zusätzlich auch für alle Teammitglieder einen eigenen Sub-Character-Plot, in dem man etwas mehr über seine Gefährten erfahren kann. Jedoch scheint jeder von ihnen einen gewissen Stereotypen auszufüllen, was die Figuren ein wenig eindimensional macht. Aber bei einer für RPG’s typisch langen Spiezeit bleibt ja noch ein wenig Raum zur Entfaltung, da lass ich mich auch gerne überraschen.

Das hab ich doch schonmal irgendwo gesehen …

Die menschliche Psyche ist – vor allem in den letzten Jahren – eine sehr beliebte Thematik geworden. Sowohl in Film und Fernsehen, als auch in Videogames. Daran schließt sich auch Akibas Beat an, indem es die menschlichen Wunschträume und den manchmal damit verbundenen Realitätsverlust thematisiert.

Leider ist das Timing des Spielreleases alles andere als gut gewählt, da es nun im Schatten eines deutlich größeren und erfolgreicheren Genrebruder steht. Persona 5 hat schon vor einigen Wochen mit einer ziemlich ähnlichen Prämisse gute Ergebnisse erspielt und wurde jetzt schon als potentielles Game of the Year ernannt. Gegen so etwas anzukommen ist schwierig, vor allem da sich die Ähnlichkeiten nicht nur auf das Thema beschränken.

Natürlich funktionieren alle Titel des gleichen Genres vom Prinzip her ähnlich, aber Akibas Beat hat irgendwie nicht so richtig das gewisse Etwas gefunden, das es von seinen Artgenossen unterscheidet. Wenn ihr zum Beispiel im Spiel durch die Delusionscapes lauft, wird euch dieser Dungeon Crawler Abschnitt wahrscheinlich sofort an die Persona Reihe erinnern.

Das Delusionscape des angehenden Idols Riyu Momose © Acquire

Es bedient sich auch eines Echtzeit Kampfsystems, das schon von weiterem hinsehen an die Tales-of-Reihe erinnert, die gerade in den letzten Jahren immer größere Erfolge im Westen erzielt. Und leider hapert es da auch noch ein wenig an der Umsetzung. Die Steuerung ist zum Teil sehr plump, was bei einem solchen Kampfsystem, in dem man sich Flüssigkeit wünscht, einfach nicht in Ordnung ist. Auch die Ladezeiten sind zum Teil sehr lange und unterbrechen dadurch den Flow des Spiels.

Seiyūs! Seiyūs everywhere!

Wer jedoch gerne Anime-Fan ist und diese vor allem gerne in OV anschaut, wird bei der Synchro Freunde haben. Der Hauptcharakter Asahi wird von Toshiki Masuda gesprochen, ein (relativer) Neuling noch, der aber schnell auf dem Weg nach ganz oben ist, vor allem seit er Chikara Ennoshita in Haikyū!! gesprochen hat. Man kann aber nicht von Haikyū!! sprechen, ohne Kuroko no Basuke zu erwähnen, weshalb Asahis bester Freund Mizuki Aihara von niemand anderem als Kenshō Ono seine Stimme geliehen bekommt. Hier hört es aber mit der Star-Power noch lange nicht auf. Mit dabei sind auch große Namen wie Tetsuya Kakihara (Natsu Dragneel in Fairy Tail), Junichi Suwabe (The Undertaker in Black Butler), Katsuyuki Konishi (Lloyd Irving in Tales of Symphonia) und Rina Sato (Velvet Crowe in Tales of Berseria).

Leider gibt es hier ebenfalls gelegentlich einige Schwierigkeiten. Bei mir hat beipielsweise Asahi während den Kämpfen englisch geredet, obwohl das Spiel auf japanisch gestellt war. Aber abgesen von solchen Kleinigkeiten ist die Synchro – auch auf englisch – echt in Ordnung, auf japanisch sogar super mit teilweise richtig unterhaltsamen Dialog.

Mein größter Kritikpunkt wäre aber die Nameswahl, beziehungsweise die damit verbundene Lüge. Denn so richtig viel mit Beats und Musik hat das nicht zu tun. Zwar kann man in den Kämpfen eine Art Overlimit erreichen, bei dem die Party ihre Kopfhörer aufsetzt und auf den Rythmus der gerade ausgewählten Musik kämpft, allerdings macht das im Gameplay keinen großen Unterscheid. Der von euch zugefügte Schaden ist größer, aber ihr müsst dafür eigentlich nichts tun.

Fazit

Akibas Beat ist ein ziemilch simples, straight-forward Action-JRPG mit schönem Design und einigen interessanten Charakteren, die euch auf einer Reise begleiten, die zwar nicht fesselt, aber auch nicht langweilig wird. Besonders Anime Fans werden sicher ihren Spaß damit haben, da der Humor und Stil sich primär an sie richtet. Für ein wenig Spaß zwischendurch ist das Spiel, vor allem auf der Vita, definitiv mal einen Blick wert. Auch wenn es der dritte Teil einer Reihe ist, hat Akibas Beat nichts mit seinen Vorgängern zu tun, man kann also problemlos einsteigen.

Melle ist als Manga und Animefan aufgewachsen und hat sich mit der Zeit mehr und mehr auch zu einem riesigen Film- und Serienfan entwickelt. Nebenbei hat sie noch ein großes Fable für Games. Schreiben war schon immer eine große Leidenschaft von ihr, die sie nun beruflich umzusetzen hofft.