Aragami Review: Be Shadow, My Friend

Indie PC PlayStation Review

Im Schattenschleich- und Meuchelsimulator Aragami, erschienen am 04. Oktober 2016 und entwickelt von Lince Works, gibt es ein paar Ungereimtheiten zu begleichen, unter anderem mit dem spitzen Ende eurer Klinge. Dafür hat euch Yamiko beschworen, die in einer Gefängniszelle auf Rettung wartet. Doch um das Siegel zu brechen, sind noch einige Gegenstände zu finden. Damit ist der Rahmen gesetzt – ein üblicher Rahmen, zunächst. Greifen die Details tief genug, um zu begeistern? Wie schlägt sich euer Rachegeist Aragami auf dem Feld?

Ein Spiel von Schatten und Licht

Der beschworene Geist ist eine sehr schattenhafte Figur, und eben drum könnt ihr Schatten auch nutzen um euch zu verbergen. Umso gefährlicher sind helle Spielabschnitte: Beleuchtete Flächen berauben euch gar eurer Kräfte, davon, dass der Aragami weithin sichtbar wird, ganz zu schweigen. Die Macher haben dabei sehr geschickt und mit viel Liebe zum Detail abgewogen, wann der Geist entdeckt wird. In vielen Schleichspielen hat man das Gefühl, dem Gegner vor der Nase herumtanzen zu können oder gleich viel zu schnell entdeckt zu werden; die Balance aus Sichtbarkeit und Versteckspiel ist hier sehr gut gelungen.

Aragami Screenshot 1, Assassine auf Torbogen

Torbögen und Gebäude können geschickt genutzt werden. © 2016 Lince Works

Auf ein HUD wird dabei komplett verzichtet. Wie in Journey gibt ein Schal am Rücken der Figur die verbleibende Kraft an, die sich in den Schatten auflädt und im Licht schwindet. Mit ihr könnt ihr verschiedene Kräfte einsetzen, etwa in den Schatten springen oder neue werfen. Wer die Level erkundet, findet Schriftrollen, mit denen sich weitere Fähigkeiten erlernen lassen, von Messer werfen bis Fallen legen. Später zeigt euch ein Rabe Checkpoints und Ziele, indem er kurzzeitig Marker hervorhebt.

Zwischen Geist und Mörder

Das Spiel kann dabei auf verschiedene Weisen angegangen werden – es gibt kleine Belohnungen dafür, immer unentdeckt zu bleiben, niemanden oder gleich alle zu töten, und eine Bewertung für jedes Level, wie man sich geschlagen hat. Wie man es auch spielt, treffen lassen sollte man sich nie – schon ein Treffer durch einen Kaiho-Soldaten schickt euch zurück in die Geisterwelt und an den letzten Checkpoint, der mitunter Minuten entfernt sein kann. Dies macht es jedoch auch umso spannender und regt dazu an, geplant vorzugehen.

Aragami Screenshot 2, nebliger Wald mit Bogenschützen

Bogenschützen suchen mit ihren Adleraugen nach euch. © 2016 Lince Works

Fortlaufende Dialoge halten die Handlung interessant, auch ist an jeden der zu sammelnden Gegenstände ein Detail der Handlung geknüpft. Atmosphärische Szenen geben all dem einen märchenhaften Anschein, wie auch die Graphik es tut. Das Belauschen von Gegnern, die unterwegs immer mal wieder Gespräche halten, lädt zum kurzen Verweilen ein. Fortweg überzeugt das Spiel durch einen sehr fließenden Ablauf, der weitgehend ohne Menüs und künstliche Einschnitte auskommt; in Ermangelung eines besseren Wortes: Aragami fühlt sich sehr organisch an.

Schattenseiten

Neben all der Vollkommenheit gibt es jedoch ein paar kleine Makel. Zunächst einmal könnte die Graphik einigen aufstoßen; das Spiel wirkt dahingehend ein wenig oldschool oder retro, erinnert an ältere Titel. Zwar ist der Titel optisch nicht gerade Cutting Edge, der Stil ist jedoch zeitlos und die Komposition an vielen Stellen hübsch. Der lineare Spielablauf führt einen öfter an Orte, von denen aus man Überblick über den nächsten Spielabschnitt hat.

Aragami Screenshot 3, Aragami und Yumiko blicken über Friedhof

Yamiko, selbst in geisterhafter Gestalt, ist eine ständige Begleiterin, und deckt nach und nach mehr Informationen über die Spielwelt mit euch auf. © 2016 Lince Works

Hin und wieder konnte ich auch ein paar Bugs bemerken. Einmal lief ich unter Wasser durch einen Fluss, während Wachen mich jagten – eigentlich erledigt das kühle Nass den Aragami sofort. An anderer Stelle im Wald gab es einen FPS-Einbruch, der sich über einen kleinen Nebenweg erstreckte; warum, erschließt sich nicht ganz. Die Fehler sind jedoch eher rar und tun dem Spielspaß keinen Abbruch.

Fazit

Das Spiel bringt zwar technisch wenig Neues auf den Plan, setzt jedoch viele gute Ideen mit einer liebevollen Geschichte, abwechslungsreichen Umgebungen und mitunter herausforderndem Gameplay charmant um. Dabei wirken Design von Umgebungen, Gameplay und Spielemenenten sehr wohlüberlegt. Umso überraschender, dass der Titel bisher eher wenig beachtet wurde, fühlt es sich doch bereits jetzt an, als würde man einen geliebten Klassiker wieder spielen.

Aragami gibt es für rund 20 Euro im Playstation Store für die PS4 und bei Steam für den PC.

D. Sen hasst Videospiele und moderne Medien überhaupt. Er schreibt Videospiel-Reviews, weil kein Verlag seine richtigen Bücher veröffentlicht.