Black Mirror Review: Der Fluch der Gordons kehrt zurück

PC PlayStation Review Xbox
Release 28.November 2017
Genre Adventure, Horror, Point & Click
Plattformen PS4, Xbox One, PC
Entwickler KING Art
Publisher THQ Nordic

Nein, tatsächlich handelt es sich hierbei nicht – wie mir mehrfach nahegelegt wurde – um ein Spiel das auf der gleichnamigen TV-Serie basiert! Black Mirror ist eine Art Reboot des Games aus dem Jahre 2003.

Es orientiert sich an Story- und Stilelementen seines Vorbildes, ist aber ansonsten ein eigenständiges Horror-Adventure, mit einem Touch Gothic.

Doch welches Geheimnis verbirgt sich tatsächlich im Black Mirror Mansion in Schottland? Ich bin dem Rätsel, und einigen anderen, auf den Grund gegangen.

Verflucht nochmal!

Während die ursprüngliche Black Mirror Reihe im England der 1980er spielte, spielt das Reboot im Schottland des Jahres 1928. Der Selbstmord seines Vaters führt David Gordon zum ersten Mal zu seinem Familienhaus Sgàthan dubh (engl.: Black Mirror) um sein Erbe anzutreten. Begrüßt wird er dort von nicht gerade freundlichen Zeitgenossen, wie seiner Großmutter Margaret und dem Butler McKinnon. Außerdem leidet David an Insomnia und traumartigen Visionen, die seinen Aufenthalt in Sgàthan dubh weiter erschweren. Steckt etwa doch mehr hinter dem Tod seines Vaters? Lastet tatsächlich ein Fluch auf der Familie Gordon?

Was verheimlicht Lady Margaret © KING Art

David ist der einzige, der das über Generationen weitergereichte Schweigen endlich brechen kann. Dabei könnte er jedoch mehr als nur seinen Verstand verlieren.

Where Once Poe Walked

Black Mirror ist nicht unbedingt eine sehr bekannte Adventure-Game Reihe. Ich muss zugeben, die Original-Trilogie selber nie gespielt zu haben. Die Reviews zur Erscheinungszeit waren auch eher gemischt, vielleicht zum Teil weil Gothic-Horror nicht unbedingt jedermanns Geschmack ist. Das sind aber eigentlich perfekte Voraussetzungen für eine Neuinterpretation und ein Reboot. In diesem Spiel wird eine komplett neue Geschichte erzählt wird, ohne Seitenhiebe oder Erinnerungen an das Vorbild. Fans des Horror Genres können sich also problemlos an Black Mirror ranwagen, ohne jegliches Vorwissen zu benötigen.

Nur mit einer Kerze bewaffnet erkundet David Black Mirror © KING Art

Obwohl Horror hier etwas großzügig verwendet wird. Black Mirror verspricht in seiner Spielbeschreibung eine „Unheimliche Atmosphäre mit Fokus auf den Schrecken der Psyche im Stil von E. A. Poe und H. P. Lovecraft„, und das trifft es eigentlich ganz gut. Man könnte es dem Erzählstil der Schwarzen Romantik zuschreiben. Man darf hier keine Jumpscares oder besonders angsteinflößende Horror-Szenen erwarten. Allerdings befindet man sich beim Spielen ständig in einer angespannten, bedrückenden Stimmung. Untermalt ist das vor allem durch die düsteren Räume und Orte, durch die man navigieren muss. Den Schauplatz von England zu Schottland zu wechseln, finde ich persönlich eine gute Entscheidung. Wer schonmal in Schottland war, weiß dass das Land automatisch ein gewisses romantisch-melancholisches Gefühl in einem auslöst, perfekt also, für ein Spiel dieser Art.

Stonehenge bei Nacht © KING Art

Blut ist nicht immer dicker als Wasser

Das Storyfundament ist ein typisches Horror-Klischee: Der Vater unserer Protagonisten stirbt, es gibt ein Testament. Er muss also zum Haus seiner Familie reisen, das irgendwo abseits an einem menschenleeren Ort liegt. Die noch lebenden Bewohner des Hauses Gordon sind nicht erfreut über das Antreffen und Einmischen eines Außenseiters und scheinen ein dunkles Geheimnis zu hüten. Der Protagonist, in diesem Fall David, ist der einzige, der dem Ganzen auf den Grund gehen kann.

Während man also das Haus Black Mirror erkundet und mit den seltsamen Bewohnern plaudert, hat David immer wieder plötzliche traumhafte Visionen bzw. Flashbacks. Durch diese erfährt man mehr über die Vergangenheit der Charaktere und findet langsam heraus, was in dem alten Gemäuer vorgefallen ist und ob vielleicht mehr hinter dem Tod von Davids Vater steckt.

Was hat es nur mit diesen Traumvisionen auf sich? © KING Art

Von der Geschichte und den Charakteren hätte ich zum Teil etwas mehr erwartet. Der Anfang ist etwas schleppend und auch die Figuren versprechen mehr, als sie letztendlich liefern. Mit der Zeit wird es aber immer interessanter und man möchte gerne wissen, was denn nun hinter dieser Familie Gordon und ihrem Familienerbe steckt. Vor allem David ist großteils ganz witzig, mit seinem schwarzen Humor und Sarkasmus.

Click & Load

Zum Gameplay gibt es nicht viel zu sagen. Point & Click spricht eigentlich für sich. Man kann sich relativ frei durch das Haus der Gordons bewegen und mit verschiedenen Gegenständen interagieren. Dabei gilt es immer mal wieder kleinere Puzzle zu lösen oder Codes zu knacken. Ganz neu in diesem Black Mirror sind die Traumsequenzen, in denen David plötzlich Visionen übermannen. Auch hier muss man mit den Figuren und Gegenständen agieren, allerdings sollte man dabei etwas mehr Vorsicht walten lassen. So eine Traumgestalt hat einen ziemlich festen Griff.

Die Gegenstände lassen sich rundum betrachten © KING Art

Die Laufsteuerung auf der PS4 ist etwas holprig und hat mich zum Teil echt Nerven gekostet. Kann aber sein, dass das für die PC Version nicht zutrifft. Außerdem sind die Ladezeiten etwas lang und stören dadruch den Fluss des Spiels ein wenig.

Als ein großer Stimmen-Fan habe ich mich besonders darüber gefreut, dass das Spiel komplett synchronisiert ist. Einige große Namen der deutschen Synchronkartei sind bei diesem Spiel dabei und erleichtern einem das Eintauchen in diese Gruselwelt.

Fazit

Black Mirror ist vor allem ein sehr atmosphärisches Spiel, das einen in eine düstere Welt des Gothic-Horror einlädt. Die Steuerung ist zum Teil etwas umständlich, aber daran kann man sich schnell gewöhnen. Wer Adventure Games à la Point & Click mag, wird sich mit diesem Spiel auf jeden Fall anfreunden können. Vor allem Fans von The Book of Unwritten Tales werden hier sicher etwas für sich entdecken, nur vielleicht weniger farbvoll;) Wer außerden kein Problem mit Englisch hat, dem kann ich nur empfehlen, die Sprachausgabe auf Englisch umzustellen. Da der Schauplatz der Geschichte in Schottland ist, haben die Charaktere fast alle einen wunderbar unterhaltsamen schottischen Akzent, der auf Deutsch leider verloren geht. Höhrenswert ist aber beides. Mich persönlich hat das Spiel unterhalten und mir die Vorgänger Trilogie schmackhaft gemacht.

Melle ist als Manga und Animefan aufgewachsen und hat sich mit der Zeit mehr und mehr auch zu einem riesigen Film- und Serienfan entwickelt. Nebenbei hat sie noch ein großes Fable für Games. Schreiben war schon immer eine große Leidenschaft von ihr, die sie nun beruflich umzusetzen hofft.