Children of Zodiarcs Review: Ein taktisches brettspielhaftes Rollenspiel

PC PlayStation Review
Release  18.07.2017
Genre Tactical RPG
Plattformen PS4, PC, Mac
Entwickler Cardbord Utopia
Publisher Square Enix

Children of Zodiarcs kommt, wie viele Titel in letzter Zeit, durch einen erfolgreichen Kickstart zustande. Wem Tactical RPGs nicht sagen: Hierbei handelt es sich um Titel, in deren Kämpfen eure Charaktere rundenbasiert bewegt werden – etwa aus Fire Emblem oder Final Fantasy Tactics könnte euch das bekannt vorkommen. Falls nicht, klären Bild und Video im Folgenden, worum es geht.

Dabei geht Children of Zodiarcs aber nicht den gewohnten Weg – statt durch Ausrüstung entscheidet sich eure Stärke hier durch Würfel und ein Kartendeck. Wie der Versuch gelingt, haben wir untersucht.

Deck and Dice Gaming

Die Protagonisten NahmiBrice und Pester bringen alle ihre eigenen Karten und Würfel mit – dabei fangt ihr jeweils mit einem recht beschaulichen Repertoire an, durch Level-Ups erweitert sich das Arsenal. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, sein Deck und seine Würfel passend auszuwählen. Je nach Spielstil könnt ihr euch heilen, verbunkern und auf Sicherheit setzen, oder aber durch schier endlose Kombos und gefährlichere Würfe Risiko in Erfolge umwandeln. (Oder im Gegenteil.)

Children of Zodiarcs Screenshot

Genreüblich ziehen Spieler und Computergegner abwechselnd ihre Figuren. Seltener ist da schon, dass die limitierten Aktionen pro Runde zum Nachgrübeln verpflichten. © Cardboard Utopia

Die Runde läuft so ab, dass ihr pro Figur erstmal eine Bewegung und eine Aktion habt. Eine Aktion ist entweder das Ausspielen oder Nachziehen von Karten, oder eine Verteidigungshaltung einzunehmen. Spielt ihr eine Karte aus, kann es durch den Wurf geschehen, dass weitere Aktionen, das Nachziehen oder noch andere Effekte eintreten – üblicherweise folgt auf einen Nahkampfangriff auch ein Konter des Gegners, gegen den direkt auch Schilde zu werfen sind. Man sieht schon: Zu simpel oder einfach macht der Titel es einem nicht. Nicht umsonst gibt es die Herausforderung, 17 Würfel auf einmal zu werfen oder eine 7er Karten-Kette hinzulegen.

Darf es ein bisschen Atmosphäre mehr sein?

Während die 3D-Modelle zum Teil schon etwas einfach gestrickt sind, ist der graphische Stil im Großen und Ganzen überzeugend. Optisch erinnert der Titel an Spiele wie Bastion oder Transistor von Supergiant Games: Ein bisschen bunt, ein bisschen verträumt, und manchmal ein bisschen keck. Die Musik kommt von Vibe Avenue, welche schon mit einigen kleineren Titeln Erfahrungen sammeln konnten. Die Tracks bleiben zwar nicht im Ohr hängen, untermalen die Szenerien aber solide.

Children of Zodiarcs Screenshot

Wer sich verwürfelt, kann auf Risiko zwei Würfel erneut werfen – läuft aber Gefahr, den Wurf zu verschlechtern. Versehentlich oder absichtlich können dabei auch andere Würfel kippen. © Cardboard Utopia

Ein paar Momente, in denen man erstmal stutzt, sind dann aber doch dabei. Beispielsweise können Charaktere optisch nicht diagonal schießen. Sie feuern dann einfach am Gegner vorbei, welcher dann aber halt doch als getroffen gilt. Dann gibt es auch noch diese Sache, wo man durch Kisten durchschießen kann – Objekte wirken optisch einfach höher, als sie vom Spiel behandelt werden. Erst ab einem Höhenunterschied von „2 Blöcken“ macht sich das im Gameplay bemerkbar, doch eine Stufe ist so hoch wie Figuren. Wenn man die Regeln erstmal durchblickt hat, eigentlich halb so schlimm.

Für Anfänger und Liebhaber

Die ersten Missionen sind ein schnelles, aber nicht zu schnelles Tutorial in die Spielmechaniken. Wer sich im Genre schon auskennt, kann auch direkt im Hard Mode loslegen. Nach einiger Zeit schaltet man dann auch die Fähigkeit frei, sich seine Würfel umzubasteln – dann nimmt auch die Schwierigkeit langsam etwas an Fahrt auf. Natürlich muss man schon Interesse am Genre haben, aber will sagen: Auch als Genre-Neuling kann man hier gut einsteigen.

Children of Zodiarcs Concept Art

Die Illustrationen bereichern die Atmosphäre ungemein. Bei diesem Bild handelt es sich zwar um Concept Art, der Stil zieht sich jedoch auch durch den fertigen Titel. © Cardboard Utopia

Zuletzt, aber nicht zu vernachlässigen: Die Handlung. Vor, nach, und öfter auch während einer Schlacht gibt es immer wieder kleinere Szenen, in denen Dialoge zu lesen sind. Die Charaktere haben dabei recht interessante Züge, eröffnen sich einem nach und nach, entwickeln sich weiter – dazu soll aber nichts vorgegriffen werden. Die Level werden dabei kaum recycelt. Zwar kann man in Herausforderungs-Schlachten Orte erneut aufsuchen, doch die Haupthandlung hält sich nicht lange am gleichen Ort auf.

Fazit

Beim Sound gibt es keine Patzer, aber man vergisst die musikalische Untermalung auch schnell. Die Effekte passen – hier gibt es nichts besonders anzumerken. Graphisch hingegen ist die Sache schon schwieriger – einerseits wundervolle Illustrationen und ein atmosphärischer Stil, andererseits sehr simple 3D-Modelle und optische Irrtümer. Für mich persönlich überwiegt die Atmosphäre deutlich – wer da etwas penibler ist, den werden etwa die eigentlich unsinnigen Schusswinkel aber stören.

Die Steuerung geht sehr intuitiv von Hand. Einzig stutzte ich, dass die Würfel nicht durch das Schütteln des PS4-Controllers geworfen werden konnten. (Ich spiele derzeit aber auch sehr viel Tearaway, wo man ja richtig darauf trainiert wird.) Ergibt aber auch Sinn: Schließlich will man das Nachwürfeln ja auch recht präzise machen. Passt also alles.

Die Story geht mit gutem Beispiel voran. Interessante, gut geschriebene Charaktere, und eine unterhaltende Handlung. Schon nach kurzer Zeit wuchsen mir die Figuren irgendwie ans Herz – mehr als bei vielen anderen Spielen. Den großen Wurf macht Children of Zodiarcs aber in Sachen Gameplay. Das Konzept, TRPGs mit Karten und Würfeln anzureichern geht wunderbar auf. Für mich persönlich war der Schwierigkeitsgrad auch sehr angenehm – nicht zu einfach, nicht zu schwer. Und immer wieder war Spannung dabei, ob ich denn nun die richtige Karte ziehe oder meinen Wurf doch noch retten kann.

Auf der PlayStation 4 wie auch im Steam Store seid ihr mit jeweils 18 Euro dabei, was ein ziemlich erschwinglicher Release-Preis ist, der Spieler um die 20 bis 30 Stunden unterhalten kann.

D. Sen hasst Videospiele und moderne Medien überhaupt. Er schreibt Videospiel-Reviews, weil kein Verlag seine richtigen Bücher veröffentlicht.