Civilization VI: Rise and Fall Review – Neuer Wind für alte Zivilisationen

PC Review
Entwickler Firaxis Games
Publisher 2K Games
Genre Strategie
Plattformen PC

Mit Rise and Fall ist am 8. Februar 2018 die erste vollständige Erweiterung für den neuesten Teil der kultigen Civilization-Reihe veröffentlicht worden. Nach einigen, kleineren Zivilisations- und Szenario-DLCs wagte sich Entwickler Firaxis nun endlich an ein Gameplay-Add-on für Civilization VI heran.

Rise and Fall stellt den Spieler vor neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. Von dunklen Zeitaltern und Notfällen, bis hin zu Rebellionen, verschiedenen Gouverneuren und Allianzen, die Erweiterung bringt so einige Veränderungen mit sich. Neben neuen Spielmechaniken sind aber auch neue Anführer, Einheiten, Gebäude und Politiken enthalten.

Eine neue Ära

Die wohl größte Neuerung in Rise and Fall ist die Zeitalter-Mechanik. Neben den neun persönlichen Zeitaltern der Zivilisationen gibt es nun auch offizielle Zeitalter, die das Spiel an bestimmten Zeitpunkten erreicht. Sie sind identisch mit den persönlichen Zeitaltern, also Antike bis Informationszeitalter, gelten aber für die gesamte Karte. Diese Änderung verhindert es, dass Spieler, die sich auf andere Gebiete als Forschung konzentrieren, im Spiel zurückfallen und hilft gleichzeitig dabei, das doch recht überwältigende Spiel in kleinere Etappen aufzuteilen.

Diese kleineren Etappen kann der Spieler in der Form von dunklen, normalen oder goldenen Zeitaltern bestreiten. Ausschlaggebend dafür sind die Errungenschaften seiner Zivilisation im vorangehenden Zeitalter. In Rise and Fall bekommt der Spieler für historische Momente Ära-Punkte. Je mehr Punkte gesammelt werden, desto wahrscheinlicher ist ein goldenes oder zumindest normales Zeitalter, wenn eine neue Ära beginnt. Die Punkte sammeln sich beinahe nebenbei. Zerstört der Spieler ein Barbarencamp oder findet er als erster Spieler Naturwunder oder Stadtstaaten, bekommt er Ära-Punkte. Religion gegründet? Ära-Punkte. Wunder gebaut? Punkte! Trotzdem fixiert man sich vor allem anfangs mehr auf die Zeitalter als auf den Rest des Spiels und kann schon mal den Kultursieg von Teddy Roosevelt übersehen, weil man wegen einem Krieg mit Shaka kurz vor einem dunklen Zeitalter steht.

Die Zeitleiste bietet eine nette, teilweise humorvolle Übersicht über die Geschichte deines Reiches. © Screenshot

Dunkle Zeitalter sind zwar nicht das beste, was einer Zivilisation passieren kann, sie bedeuten jedoch noch lange nicht das Ende der Welt. Neben einem Loyalitäts-Malus für alle Städe bringt diese dunkle Zeit aber auch neue, starke Politiken mit sich, die dem Spieler ein Comeback erleichtern. Normale Zeitalter bringen mehr Möglichkeiten Ära-Pukte zu bekommen und goldene Zeitalter starke Boosts. Eine verdunkelte Map oder ein goldenes Interface sind nette, visuelle Details zu den jeweiligen Äras.

Bürokratie und Rebellion

Mit Rise and Fall wurden erstmals auch Gouverneure in Civilization VI eingeführt. Die Stadthalter können angestellt, verschiedenen Städten zugewiesen und später auch befördert werden. Dabei bieten sie teilweise starke, aber sehr situationsbedingte Boni. Moshka, der Kardinal bietet beispielsweiße starke Fähigkeiten für Religions-fokusierte Spieler, während Amani vor allem für Diplomatie gegenüber Stadtstaaten und für die Loyalität von Städten vorteilhaft ist. Aber Vorsicht: Gegnerische Spione können seit der Erweiterung Gouverneure für einige Runden absetzen. Wer seinen Lieblingsgouverneur nicht mit einem Gegenspion schützt, lernt das auf die harte Tour. So artet das ganze Gouverneurssystem etwas in Micromanagement aus und zahlt sich nur in den seltensten Fällen richtig aus.

Die bereits des öfteren erwähnte Loyalität ist auch eine neue Spielmechanik der Erweiterung. Beeinflusst wird diese von neuen Politiken, Gouverneuren, Zeitaltern, aber auch gegnerischen Zivilisationen. Steigt sie, bleibt die Stadt dem Spieler treu; Sinkt sie jedoch, so steigt die Wahrscheinlichkeit einer Rebellion. Mit einem Aufstand verliert der Spieler seine Stadt, welche sich dann mit Einheiten oder purem Loyalitätsdruck von anderen Zivilisationen einnehmen lässt.

Fünf Titel geben deinen Gouverneuren neue Fähigkeiten. © Screenshot

Persönlich habe ich bis jetzt nur gute Erfahrungen mit dieser Mechanik gemacht: Im Krieg mit den Zulu habe ich eine seiner zentralsten Städte erobert und mit Amani, der Diplomatin als Gouverneurin besetzt. Durch ihre Titel Abgesandte und Prestige habe ich sowohl meine neuen Eroberungen loyal zu mir gemacht, als auch Zulus umliegende Städte zu mir „bekehrt“. Trotzdem werde ich das Gefühl nicht ganz los, dass Loyalität zwar ein guter Ansatz, aber noch lange nicht ausgereift ist.

Erzwungene Freunde

Zwei unscheinbarere Neuerungen von Rise and Fall sind Notfälle und verstärkte Allianzen. Notfälle erzwingen im weiteren Spielverlauf Konflikte und Zusammenarbeit gleichermaßen. Sollte ein Spieler zu mächtig werden, beispielsweise die Heilige Stadt eines anderen Spielers bekehren, erhalten alle umliegenden Zivilisationen ein Angebot, sich gemeinsam gegen ihn zu verbünden – in dem Fall müssten sie innerhalb von 15 Runden die Stadt zurückgewinnen. Schaffen sie das, winkt allen teilnehmenden Parteien eine saftige Belohnung, sollten sie jedoch versagen, bekommt diese der Gegner.

Allianzen bekamen mit der Erweiterung eine Generalüberholung. In Rise and Fall sind Allianzen nicht mehr gleich Allianzen. Die Spieler können nun zwischen Forschungs-, Militär-, Wirtschafts-, Kultur- oder Religionsallianzen wählen. Erklären muss man zum Nutzen der jeweiligen Abkommen nicht viel, neu ist aber auch, dass sie mit der Zeit mehr Boni bekommen.

Beim Siedeln muss jetzt auf einen weiteren Faktor geachtet werden: Loyalität. © Screenshot

Wer sich von der Erweiterung eine Verbesserung der KI erwartet hat, der wird hier leider enttäuscht. So bleibt der größte Schwachpunkt von Cilivization VI nach wie vor unverändert und macht Spiele gegen den Computer beinahe unspielbar und neue Features wie Notfälle im Einzelspieler Modus unnötig. Mit der comichaften Grafik des sechsten Teils konnte ich mich auch über ein Jahr nach der Veröffentlichung noch nicht anfreuden. Diese wird leider mit dem Design der Gouverneure auf eine neue Spitze getrieben.

Pro:

  • viele gute Ansätze
  • Überarbeitung bestehender Systeme
  • neue Zivilisationen
  • UI Update

Contra:

  • neue Mechaniken wirken unpoliert
  • KI nach wie vor unverändert
  • comichaftes Design

Fazit:

Civilization VI: Rise and Fall bringt einige gute Ideen in ein bereits vollständiges Spiel ein, die nach einer kurzen Eingewöhnungsphase (und eventuellen Patches) eine großteils angenehme Erweiterung des Basisspiels darstellen. Das Add-on kommt nicht mit bahnbrechenden Neuerungen, vermag es aber den gewohnten Spielablauf eines Civ-Games etwas durchzurütteln. Liebhaber des Genres werden mit Rise and Fall definitiv auf ihre Kosten kommen, Gelegenheitsspieler sollten vielleicht warten, bis die 29,99€ Erweiterung im Abverkauf ist.

Kuro ist unter anderem für den technischen Kram bei Motherbot zuständig. Wenn er nicht gerade über Musik schreibt, traut er sich als Bot auch an den ein oder anderen Artikel über Games. Sein erstes Taschengeld gab er für einen Gameboy Color mit Pokémon aus und danach ging's nur mehr bergab. Heute verbringt er den Großteil seiner Abende in Multiplayer-Spielen mit Freunden und fragt sich insgeheim, ob seine Freundin ihre Sims mehr liebt als ihn.