Das Thema des Worldbuildings anhand von Horizon Zero Dawn

Nerdtalk PlayStation

Was hatten wir nicht für ein großartiges Jahr 2017. I am Setsuna, Nier: Automata, Zelda BotW, What Remains of Edith Finch uvm. Sie alle begeisterten durch innovative, individuelle und stimmige Spielmechaniken, aber auch durch ihre fantastischen Spielewelten. In diesem Beitrag möchte auf die Spielewelt von Horizon Zero Dawn eingehen und warum mich diese in Windeseile gepackt hat.

Was fasziniert uns an einer stimmigen fiktiven Welt derart?

Diese Frage ist vielschichtig und weist sicherlich eine Vielzahl an Gründen auf. Gelten glaubhafte Geschichten aus Spielen, Serien und Bücher seit jeher als eine Form des Eskapismus. Je stimmiger und detaillierter sie dargestellt werden, desto eher besteht die Chance, dass wir es schaffen uns in ihnen zu verlieren. Videospiele hatten von allen Medien schon seit jeher die größten Präsentationsmöglichkeiten, um uns einen runden Einblick in ihre Welten zu geben.

© Nintendo

Sei es durch die narrative Darstellung, Charakterentwicklungen, Gegenstandbeschreibungen und die allgemeine Lore des Werks. Diese Aspekte sind allesamt in anderen Medien zu finden, doch erlauben uns Games diese in unserem eigenen Tempo und unserem eigenen Umfang (Gründlichkeit) zu erfahren.

Wenn wir anhand Interaktionen, Konversationen oder zufällig entdeckte Fragmente die fehlenden Puzzleteile erschließen, um die uns vorliegende Welt besser zu verstehen verspüren wir ein „Ahh-so-hängt-das-also-zusammen-Gefühl“. Dieses Gefühl dient als ein Hauptantrieb, um weiter in die Welt einzutauchen und ihre Rätsel und Zusammenhänge zu lüften.

© Nintendo

Ich denke da bloß an den größten Vertreter der jüngeren Vergangenheit, der es verstanden hat uns seine Geschichte anhand seiner Spielwelt aufzuzeigen: Dark Souls. Das Spiel löste in uns ein Gefühl des Mysteriums aus, indem es uns nicht wie viele andere Spiele an der Hand nahm und uns seine Spielmechanik und -welt nach und nach erklärte.

Dies alles musste durch uns selbst herausgefunden werden, indem wir jedem noch so unscheinbar wirkenden Nebencharakter unser Gehör schenkten, Gegenstandsbeschreibungen analysierten und vor allem auf die Geschichten achten, die uns das Level Design selbst erzählten.

© From Software

Die vielen Fantheorien, die sich um das Spiel ranken, sind ein Ausdruck der Begeisterung für die eigene interpretatorische Freiheit. Falls ihr daran Interesse habt, kann ich euch den Youtuber VaatiVidya wärmsten empfehlen. Es verlangt viel Verständnis für ein stimmiges Worldbuilding um Spielern das Gefühl zu vermitteln, dass die vorliegende Welt schon viel länger existiert, als der spielbare Content es wiedergibt.

Was hat Horizon Zero Dawn in petto?

Eine weitere Spielwelt, die uns dieses Gefühl schafft zu vermitteln ist Horizon Zero Dawn. Die Geschichte handelt von Aloy, welche als Waise aufwuchs und zu einer Gruppe ausgestoßener sich zugehörig fühlt. Durch ein Missgeschick fällt sie in eine Grube und findet sich in einer ihr völlig unbekannten Welt wieder.

Kennt sie durch ihren Ziehvater lediglich die Regeln, Gesetze und das Weltbild ihres Stammes, so wird sie nun von einer zerfallenden hochtechnologischen Kultur begrüßt. Doch trotz der vor ihr liegenden Ungewissheit sieht sie hier eine Chance darin eine Erklärung für den Zerfall der Welt in Horizon Zero Dawn auf die Spur zu kommen.

© Guerrilla Games

Denn die Handlung spielt auf der uns bekannten Erde nur viele Jahrhunderte nach dem technologischen Zenit. Was daraufhin passierte, wodurch der Zerfall ausgelöst wurde und warum die übrig gebliebenen Maschinen so feinselig auf Menschen reagieren, liegt an uns herauszufinden.

So viel zu entdecken

Die Prämisse ist hochinteressant und präsentiert uns eine Welt voller Dualität. Es ist ein leichtes sich in banale Reibereien zwischen verschiedenen Stämmen zu verlieren, nur um das größere Bild der Ursache für den buchstäblichen Weltuntergang aus den Augen zu verlieren. Was wir in Horizon Zero Dawn vorfinden ist ein in sich stimmiges Ökosystem, welches uns glaubhafte Szenarien darbietet.

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Die Welt mag nicht mehr den technologischen Fortschritt wie einst aufweisen, doch besitzt der Mensch nach wie vor das Verlangen in einem sozialen Gefüge zu interagieren. Es erscheint uns glaubhaft, dass in den verschiedenen Teilen der Welt sich verschiedene Menschgruppen zusammengefunden haben. Das Spiel geht hier noch weiter und präsentiert uns die Stämme mit unterschiedlichen Regierungsformen, Sozialsysteme, Bedürfnisse und sogar Vorurteile.

Dies wird noch augenscheinlicher als uns die Hauptstadt Meridian vorgestellt wird, wo uns die ökonomische Seite des Spiels näher gebracht wird. Anders als beim Heimatstamm befindet sich die Hauptstadt im Landesinneren und ist nicht geschützt durch Berge und Wintereinbrüche. Aus diesem Grund haben sich die Menschen dazu entschlossen eine riesige Stadt auf einem Plateau zu errichten, welche umgeben wird von wuchtigen Mauern.

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Durch die Zusammenkunft von Menschen aus aller Welt hat sich die Hauptstadt zu einem politischen, religiösen und kulturellen Machtzentrum entwickelt. Wo Politik und Religion gleichermaßen ihren Einzug halten, ist der Einfluss des Geldes nicht weit entfernt und so ist die Stadt auch in diverse soziale Gefüge unterteilt. Während die einfachen Leute am Fuße des Plateaus leben, haust der Adel ausschließlich an der Spitze des Gebildes. Die Divergenz dieses Umstands lässt sich auch anhand der fantastisch präsentierten Bevölkerung ablesen.

Diese Entwicklungen und Präsentation erscheinen uns nicht befremdlich. Wir erhaschen uns dabei ein Gefühl der Natürlichkeit darin zu sehen, obgleich das vorherrschende System seine Mängel und Ungleichberechtigung aufweist. Nichtsdestotrotz ist es diese Stimmigkeit, die mich an Horizon Zero Dawn so begeistert hat.

Wenn ein Spiel es anhand seiner aufgebauten Logik schafft in mir Fragen aus zu lösen und diese im Spielverlauf zu beantworten, dann hat es bereits vieles richtig gemacht. Schafft es nebenbei noch seine Charaktere mit Antrieben und Problemen auszustatten, die aus ihrer Stellung in der Spielewelt resultieren, dann hat es ein festen Platz in meinem Herzen.

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Toller Zusatzinhalt zu einem bereits starken Werk

Die Erweiterung Horizon Zero Dawn: The Frozen Wild wartet noch mit einem weiteren Spielareal auf. Dazu werden die Banuks als Bevölkerungsgruppe mehr in den Fokus gerückt, was während des Hauptspiels zu kurz kam. Ein toller Gimmick des DLCs ist, dass man zu jederzeit in das neue Gebiet aufbrechen kann. Das DLC gleicht sich dem Fortschrittlevel des Spielers an und man kann zu einem späteren Zeitpunkt wiederkommen, um weitere Neuigkeiten im Bezug zu Charakterentwicklungen zu entdecken.

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Genau wie der Haupttitel präsentiert und The Frozen Wild mit atemberaubenden Szenerien. Seien es die tief verschneiten Berge, die schwefelhaltigen Gewässer oder satten Farben des Banukstamms, sie alle lassen uns innehalten und die Kamera für ein paar Sekunden schwenken.

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In die Welt von Horizon Zero Dawn werde ich immer wieder gerne zurückkehren, weil es verstanden hat mich anhand seiner Spielewelt zu überzeugen. Gebiete, Gegner und Designentscheidungen sind nicht nur Mittel, um den Handlungsstrang gut zu präsentieren, sondern sie wirken organisch und mit einer Daseinsberechtigung in ihrer Welt.

 

Khoa hat sich schon seit jeher der Anime und Mangawelt hingegeben. Da sich die Beziehung zwischen Japanern und ihren virtuellen Partnern durch den Technologiefortschritt zu intensivieren scheint, hat er es sich zur Aufgabe gemacht nach der perfekten Waifu zu suchen.