Gran Turismo Sport Review – Aufpolierte Pferdestärken gegen Gameplayschwächen

PlayStation Review
Release 18.10.2017
Genre Sportsimulation
Plattformen PlayStation 4, PSVR
Entwickler Polyphony Digital
Publisher Sony Interactive Entertainment

Mit Gran Turismo Sport bringt Polyphony Digital mit Sony Interactive Entertainment den nun siebten Teil seiner Rennsimulationsspielreihe. Chefentwickler Kazunori Yamauchi ist jedem ein Begriff, der früher die alten Teile gespielt hat.

Voller Vorfreude klicken wir auf Start und müssen uns erst einmal durch gefühlte einhundert Grafik- Performance- und Spracheinstellungen kämpfen. Gefolgt von einem Intro, das anfangs noch schön sowie ästhetisch und dann viel zu langwierig und erzwungen abläuft. Genau wie die Musik, die oft völlig unpassend schrill und schrecklich wie ein 60er Jahre Liebes- oder Abenteuerfilm, einen an alles andere als Autos denken lässt. Danach bekommt man dann den schon vorher veröffentlichten Trailer zu sehen, den ihr euch hier anschauen könnt:

Ein erster Blick unter die Haube

Nach also zehn Minuten ist man endlich da und kriegt ein Auto geschenkt. Beim ersten Starten war dies bei uns ein Audi TT und beim zweiten mal ein Ford Focus ST. Zusätzlich starten wir mit genug Credits um ein weiteres Fahrzeug in einer der Garagen diverser Hersteller zu kaufen. Dort gibt es historische und technische Informationen zu und von den Herstellern, die man sich wie in einem Museum anschauen kann. Diese sind informativ und gut präsentiert, fügen sich aber leider auf keiner Ebene in das Spiel ein.

Durch den gut motorisierten Wagen vom Anfang, muss man sich nicht mehr, wie in den alten Teilen mit der Hausfrauenautoklasse nach oben kämpfen. Wo man erst nach Stundenlanger Kleinstarbeit mit bis zu 120km/h Spitze endlich etwas hatte, dass sich als Rennauto bezeichnen konnte, bekommt man jetzt direkt etwas Brauchbares. Sobald man aber nach dem Spielen verschiedener Fahrschul- und Einzelmissionen bemerkt, dass es keine Solokampagne mehr gibt, in der man langsam an sich, seinen Rundenzeiten, seinem Fahrkönnen und über Tuning an seinem Auto feilen kann, verpufft jegliche Motivation. So angenehm es sich auch fährt, so schön es auch aussieht, so doll die Motoren auch röhren, nach nur kurzer Zeit vergeht einem die Lust.

Durch Können und geschicktes Fahren, gilt es jede Millisekunde aus der eigenen Bestzeit herauszuholen © Sony Interactive Entertainment

Durch Können und geschicktes Fahren, gilt es jede Millisekunde aus der eigenen Bestzeit herauszuholen © Sony Interactive Entertainment

Die Autoauswahl hat sich in diesem Teil von 1200 auf 160 reduziert. Es gibt noch den Arcademodus, in dem man mit vorher ausgewählten Fahrzeugen auf ausgewählter Strecke, gegen die KI antreten kann, die leider sehr vorhersehbar und statisch von ihrer Ideallinie aus agiert. Beim Splitscreen in dem man immer noch mit einem Freund zu zweit gegeneinander antreten kann, kommt eine Weile lang Spaß auf. Aber die Idee, dass man mit Freunden vielleicht mal eine Partie gegen Bots fahren möchte, kam den Entwicklern nicht. Und so bleibt es dabei, dass man zu zweit seine Runden dreht. So hat man nach ein paar Partien auch so bald genug.

Die Fahrschul– und Rennmissionen, drehen sich meistens nur um verschiedene Fahrmanöver, die einem die Grundlagen der Steuerung und des Fahrzeugverhaltens näherbringen sollen. Wenn dies schnell ablaufen könnte, wäre das kein Problem. Aber man lädt schon circa eine Minute, nur um einhundert Meter geradeaus zu fahren und schon steckt man wieder im Ladebildschirm zur nächsten Mission. Dies gestaltet sich mühselig und bringt nach ein paar Stunden keinen Spaß oder keine angenehme Herausforderung mehr.

Optisch glänzen vor allem die immer wieder erscheinenden Panoramen © Sony Interactive Entertainment

Optisch glänzen vor allem die immer wieder erscheinenden Panoramen © Sony Interactive Entertainment

Und dann bleibt da nur der Online-Modus in dem man gegen andere Spieler antreten kann. Ohne Internetverbindung ist es übrigens nur noch möglich den Arcade und SplitscreenModus zu nutzen. Um dem Online-Modus von Gran Turismo Sport beizutreten, ist es erforderlich sich zwei YouTube Videos anzusehen, die es irgendwie in das Spiel geschafft haben. Auch bei den Fahrschul- und Rennmissionen gab es Videos, die einem so etwas wie das Überholen erklären. Zumindest kann man das ingame machen, die Videos über Sportsgeist und unangemessenes Fahren kommen einem dann aber doch etwas lächerlich vor. Das ein oder andere ironische „You don’t say?“ kann ich mir währenddessen nicht verkneifen, da die Videos an Flugsicherheitsunterweisungen erinnern.

Den durchaus wichtigen Inhalt der Videos, welcher die Spieler daran erinnern soll, die Regeln wie Rammen und waghalsiges Überholen zum Wohle aller und sich selber zu unterlassen, bleibt dabei auf der Strecke. Eine der wenigen sehr raren Neuerungen, die einfach fehl am Platz wirken, obwohl sie etwas verbessern sollten.

Der Rally Modus ist auch wieder am Start © Sony Interactive Entertainment

Der Rally Modus ist auch wieder am Start © Sony Interactive Entertainment

Fazit

Gran Turismo wurde schon für die letzten Teile kritisiert, wegen seiner Ideenarmut und fehlender Kreativität. In diesem Teil bringt der Publisher das aber auf die Spitze: er entfernt fast alles was irgendwie Kritik bekommen hat komplett, anstatt es anhand dieser Kritik zu verbessern. Dinge, wie YouTube Videos in das Spiel einzubinden könnte funktionieren, wenn man das ganze zu Ende denkt und es gut in das Spiel einbettet. Bei einem ohnehin überladenen Menü dann noch ein Video oben rechts einzublenden, um einem so etwas wie geradeaus fahren und wieder stehen bleiben beizubringen, ist einfach überflüssig.

Etwas am Spiel das gut war, waren tatsächlich das Fahrverhalten und die schöne Optik. Man spürt Gewichtsverlagerungen in den Kurven, dass jedes Auto sich anders fährt, die Steuerung mit dem Pad ist gut und direkt. Aber alles eben nur gut im Sinne von okay. Es eignet sich also für Leute, die sich einen kompetitiven online Rennsimulator wünschen, um gegen andere im Multiplayer anzutreten. Das finden von Spielen sowie das Balancing, das einen irgendwann von Rambospielern trennt, funktionierten ohne Probleme. Polyphony Digital hat für die nächsten Monate Online-Meisterschaften angekündigt. Wer darauf allerdings keine Lust oder wenig Motivation hat, bleibt auf der detaillosen Strecke zurück.

In den „Museums-Informationen“ aus den Garagen der Herstellern, kommt das Eigentliche auf, was ich an dem Spiel vermisse: Spaß an Technik und Wettkampf. Dieser entsteht durch Weitsicht und dadurch, etwas zu wagen. Hoffentlich können sich die Entwickler und das Studio von dieser Flaute erholen und sich eben den Sportsgeist, den sie so gepriesen haben einverleiben, um gegen die momentan viel bessere Konkurrenz zu bestehen und eventuell eines Tages an ihnen vorbeizuziehen.

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Medieninformatikstudent und eSports Enthusiast. Motherbots rasender Reporter!