Horizon: Zero Dawn Review – Grandios und enttäuschend zugleich

PlayStation Review
Entwickler Guerilla Games
Publisher Sony Interactive Entertainment
Genre Action-Rollenspiel
Plattformen PlayStation 4

Letzten Mittwoch ist das heiß erwartete Horizon: Zero Dawn für die PlayStation 4 erschienen. Der Exklusivtitel aus dem niederländischen Studio Guerilla Games versetzt euch in eine Welt, deren Umgebung zwischen Steinzeit und Science Fiction schwingt. Als Aloy, eine von Geburt an Ausgestoßene, sucht ihr einen Weg euch zu beweisen und das Rätsel eurer Herkunft zu lösen.

Viel mehr soll dazu auch nicht vorgegriffen werden – aber wie gestaltet sich diese Reise, und wird das Spiel den hohen Erwartungen gerecht?

Einmal alles – zum Mitnehmen

Die Spielprinzipien aus Horizon: Zero Dawn dürften den meisten Spielern vertraut sein. In diesem Third-Person Action-Rollenspiel könnt ihr euch schleichend verbergen, einen Kampfschauplatz mit Fallen präparieren, Attentate begehen, aus der Entfernung mit Pfeilen angreifen, oder wenn ihr mutig seid, auch im Nahkampf drauf los holzen. Na, und noch einiges mehr; es wurde sich an fast allen Konzepten bedient, die die Videospiellandschaft hier zu bieten hat.

Horizon: Zero Dawn, Bullshot

Wer frontal auf einen Roboter zuschleicht, macht schon irgendetwas falsch. Ein hübsches Bild ist es trotzdem geworden. © 2017 Sony

Die Vielfalt an Fertigkeiten erlaubt es, Situationen auf verschiedene Weisen anzugehen. Auf der Reise sammelt ihr Erfahrung und schaltet nach und nach noch einige Spezialitäten frei. Die Fähigkeiten teilen sich in die Kategorien JagenKämpfen und Sammeln auf. Letzteres gewinnt durch das Crafting an Relevanz – jeder Pfeil muss hergestellt werden. Dafür braucht ihr jedoch keine speziellen Orte aufzusuchen, Aloy fabriziert ihre Munition einfach selbst. Das ist auch mitten in der Schlacht möglich und geht ohne jede Animation vonstatten. Ein wenig stört die dabei notwendige Inventarverwaltung – wer nicht regelmäßig seine Taschen bei Händlern leert, muss schon bald wertvolle Gegenstände zurücklassen.

Auf in den Kampf

Eure Gegner sind dabei unterschiedlichste dinosaurierähnliche Maschinenwesen, oder eben Menschen. Letztere haben während der Kämpfe hin und wieder ein paar Aussetzer. Wirklich schwierig wird der Titel auch gegen die Maschinen nicht. Zur Not kann man sich oft auch noch mit wildem Rollen und Um-sich-Schlagen retten. Der Schlüssel zum Sieg liegt aber oftmals in der Vorbereitung. Wer fleißig Heilpflanzen am Wegesrand sammelt, hält auch länger durch.

Horizon: Zero Dawn, Bullshot

Dieser Pfeil, an diese Stelle? Es gibt einige Schwackpunkte an denen Maschinen verletzlicher sind und die bevorzugt angepeilt werden sollten. Die großen Panzerungen sind das üblicherweise nicht. © 2017 Sony

Zwar gibt es oft einfachere Wege, doch der Titel reizt einen dazu auch die anderen Möglichkeiten in Betracht zu ziehen und seine Umgebung nach guten Angriffspositionen abzusuchen. Leider wirkt die Steuerung dabei oft etwas weich. Aloy reagiert mitunter recht unpräzise. Der starke Fokus auf den Bogen kann für etwas Frust sorgen, da das Zielen mit einem Controller deutlich schwieriger ausfällt als mit einer Maus. Das Spiel versucht hier über Zeitlupen Abhilfe zu schaffen.

Ein Wechselbad aus Freud‘ und Leid

Die Handlung des Spiels ist ein äußerst zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite gibt es wunderschöne und stimmungsvolle Szenen, dann wieder wirken Momente so abstrus, dass man schon lachen muss. Die Synchronisation ist oft so weit ab vom Schuss, dass auch in dramatischen Momenten Komik aufkommt und die Qualität der Animationen schwingt zwischen bestechend und albern. Vielen Situationen fehlt es dadurch an Überzeugungskraft. Die Maschinen kommen dabei noch deutlich besser weg als Menschen.

Horizon: Zero Dawn, Bullshot

Der leicht hölzerne Blick ist nicht immer ein Problem, doch Mimik und Gestik der Charaktere lassen manchmal trotz schöner Modelle zu wünschen übrig. © 2017 Sony

Ebenso sind die Inhalte der Handlung teils clever und machen Lust auf mehr, teils ergeben sie wenig Sinn und fallen auf völlig berechenbare Klischees zurück. Manchmal leidet auch die Glaubwürdigkeit einer Situation; etwa, als Aloy in einem Nebenquest jemanden finden soll, nach zehnminütiger Spurensuche dann aber auch zeitgleich der Auftraggeber auftaucht. Einige Momente wirken schlicht nicht durchdacht. Die Hauptstory entwickelt sich dabei nicht in Häppchen, sondern in Lawinen. Immer wieder gibt es Abschnitte mit massiver Handlungsentwicklung, dann geht es zurück in die Open World – bis es Zeit für den nächsten Brocken wird. Das Tempo der Handlung könnte also einigen aufstoßen.

Das Nebeltal

Die Grafik des Spiels wurde zwar hoch beworben, überzeugt auf der PlayStation 4 jedoch nicht immer. Schon auf mittlerer Entfernung werden Objekte stark vernebelt, um Rechenzeit zu sparen, und viele erwartete Effekte treten nicht ein. Etwa gibt es Feuchtigkeit nur in speziellen Szenen, in denen es regnet. Im regulären Spielverlauf fallen zwar ein paar Tropfen vom Kinn, die Haut bleibt jedoch optisch verschont. Auch Kleidung fängt keine Nässe, nach jedem Bad seid ihr sofort wieder völlig trocken. Das ist zwar spielerisch kein Problem, solche und ähnliche graphische Details fallen jedoch schnell ins Auge. Gerade für so einen großen Titel hätte man hier mehr erwartet.

Horizon: Zero Dawn, Bullshot

So schön wie hier wirkt die Landschaft im Spiel leider nicht immer. Trotzdem sorgt die Mischung aus steinzeitlicher Natur und Science-Fiction-Elementen oft für interessante Bilder. © 2017 Sony

Das Spiel bringt übrigens einen Fotomodus mit, in dem ihr auch entfernte Objekte ausleuchten und wunderschöne Screenshots machen könnt. Diese Leistung schafft das Spiel aber leider nur für Standbilder.

Fazit

Die Stärken und Schwächen von Horizon: Zero Dawn machen es schwierig, den Titel abschließend zu bewerten. In jeder Hinsicht hat das Spiel einiges zu bieten, doch für jeden Trumpf gibt es auch einen passenden Flop. Alles in allem kommt es damit recht mittelmäßig daher. Gerade, weil es nun schon viele Open World Spiele gab und sehr viele Spielmechaniken aus anderen Titeln bereits bekannt sind, ist dieses Abschneiden eher enttäuschend. Die Macher haben sich auf erprobtes Terrain begeben, erreichen dabei aber oft nicht die mittlerweile zu erwartenden Standards.

Ob nun Gameplay, Handlung, Grafik oder Sound, leider brilliert der Titel in keiner Kategorie. Dies ist gerade deshalb schade, weil mit diesem interessanten Szenario viel mehr möglich gewesen wäre. Trotz der mäßigen Bewertung empfehlen wir aber, den Titel etwas genauer zu beschauen. Von den Tiefpunkten abgesehen handelt es sich doch um eine lohnenswerte Erfahrung, gerade für Fans des Genres, die die regelmäßigen Patzer verzeihen können.

Das Spiel ist derzeit für rund 60 Euro im PlayStation Store erhältlich.

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D. Sen hasst Videospiele und moderne Medien überhaupt. Er schreibt Videospiel-Reviews, weil kein Verlag seine richtigen Bücher veröffentlicht.