Kingdom Come: Deliverance Review – Ein Königreich für ein Rollenspiel

PC PlayStation Review Xbox
Entwickler Warhorse Studios
Publisher Deep Silver
Genre Rollenspiel
Plattformen PS4, XBox One, PC

Am 13. Februar 2018, knapp vier Jahre nach Start der erfolgreichen Kickstarter-Kampagne, war es endlich so weit und Warhorse Studios veröffentlichte unter Deep Silver das lang erwartete Kingdome Come: Deliverance. Das Rollenspiel wirbt mit Realismus und tauscht die typischen RPG-Elemente wie Drachen und Magie gegen Geschichtstreue.

Die Idee hinter dem Spiel besteht dabei schon viel länger. Daniel Vávra, der Kopf hinter Kingdom Come: Deliverance, konnte aber anfangs niemanden für das Projekt begeistern. Somit verließ er 2009 2K Czech und gründete ein paar Jahre später Warhorse Studios, um an seiner Idee zu arbeiten.

Ein Reich in Trümmern

Böhmen, 1403: Der alte König Karl IV. ist tot, lang lebe König Wenzel. Doch der neue Regent ist weder fähig noch beliebt, so dauert es nicht lange, bis ein Streit um den böhmischen Thron ausbricht. Der Spieler taucht mitten in dieses Chaos ein und übernimmt die Rolle von Heinrich, dem Sohn eines Schmiedes. Inmitten dieser Kriegswirren verliert Heinrich alles, was ihm lieb ist: seine Familie, seine Freunde, sein ganzes Heimatdorf. Zuerst begibt er sich auf einen persönlichen Rachefeldzug, um letztendlich für die Ordnung im Königreich zu kämpfen.

Das ganze Setting hat auch einen historischen Hintergrund: den böhmisch-ungarischen Thronstreit Anfang des 15. Jahrhunderts. Die rund 16km² große Karte wurde mit viel Hingabe zu historischer Authentizität nachgebaut, die Region zwischen Sasau und Rattay wurde beinahe komplett nachgebaut.

Die original Schauplätze wurden mit viel Liebe zum Detail nachgebaut. © Warhorse Studios

Ein neuer König unter den Rollenspielen

Kingdom Come: Deliverance bietet die meisten Funktionen eines regulären RPGs und legt noch einige, technische Neuerungen obendrauf. Der Spieler verbessert verschiedene Stats wie Stärke oder Charisma, um üblichen RPG-Klassen wie Krieger oder Barde gerecht zu werden. Diese Fähigkeiten und auch die persönlichen Beziehungen von Heinrich zu NPCs werden dabei von den Antworten beeinflusst, die der Spieler während Gesprächen gibt.

Außerdem verfügt KC:D über ein, für Rollenspiele typischen, Bekleidungssystem in dem der Spieler Heinrich mit verschiedenen Rüstungen ausstatten kann. Neu ist jedoch, dass man mehrere Schichten tragen kann. Eine Plattenrüstung ohne genügend Polsterung darunter kann auch nicht sehr gemütlich sein… Die Wahl der Kleidung wiederum beeinflusst Kampf und Schaden im Spiel.

Authentische Kämpe in Kingdome Come: Deliverance. © Warhorse Studios

Auch dieses Kampfsystem ist von klassischen Rollenspielen inspiriert, hebt sich in diesem Punkt aber auch extremst von etablierten Konzepten ab. Typische Waffenarten werden mit einem komplexen System gepaart, in dem der Spieler seine eigene Positionierung und Angriffs- und Blockrichtung auf die seines Gegners abstimmen muss.

Erwähnenswert sind auch “Kleinigkeiten” wie die Abnutzung von Ausrüstung, die Notwendigkeit von Essen und Schlaf für den Charakter und die eigene KI von Pferden. Mit all diese Kleinigkeiten schafft es Kingdome Come: Deliverance eine ganz neue Art von Immersion für ein Rollenspiel zu schaffen und durfte vermutlich nicht zuletzt deswegen einige Zeit lang die Spitze der Steam-Charts anführen.

Ein Tag im 15. Jahrhundert

Kingdom Come: Deliverance legt auch sehr großen Wert auf Entscheidungsfreiheit. Es gibt kaum etwas im Spiel, was du nicht tun kannst. Ob mit Priestern in die nächste Taverne trinken gehen oder im ersten, eigenen Haus am Weg die Treppe hinunter den Knöchel verstauchen, in Böhmen um 1402 ist alles möglich. Einige Spieler scherzten im Internet sogar, dass es in KC:D unmöglich sei, keinen Sex zu haben. „So viel zum Realismus,“ meinte ein Twitter-User.

Grund dafür ist nicht zuletzt der Wunsch von Warhorse Studios, alle Versionen von Heinrich rentabel zu machen. Redegewandte Spieler sollen ebensoviele Möglichkeiten haben, Quests abzuschließen, wie Muskelprotze. Dabei gibt es keinen einen, richtigen Weg.

In den Wäldern Böhmens auf die Jagd gehen. © Warhorse Studios

Der Spieler kann aber nicht nur auf das Spiel reagieren, das Spiel reagiert auch auf ihn. Und lebt auch ohne den Spieler weiter. Manche Quests haben zeitliche Beschränkungen, andere können nicht beendet werden, wenn der Auftraggeber vor dem Ende selbst in Probleme (oder an den Pranger) gerät. „Triff mich am nächsten Morgen“ bedeutet wirklich am nächsten Tag, nicht irgendeinen Morgen, wie in vielen anderen RPGs. Das Böhmen von Kingdom Come: Deliverance ist eine faszinierende, aber auch unerbittliche Welt.

Wer diese Welt erforschen will, muss vorallem viel Zeit mitbringen. In der altböhmischen Kulisse verbergen sich nicht nur liebevoll nachgestellte Szenen und geheime Schätze, auch das ein oder andere Easteregg lässt sich hier finden. So präsentiert ein Bauer beispielsweiße Plötze, das Pferd des Hexers Geralt, aber auch Arya Starks Schwert lässt sich in von einem aufmerksamen Spieler finden. Zum erneuten Durchspielen regt es also allemal an.

Pro:

  • Realistische Spielerfahrung
  • Detailreiche Welt
  • Großartige Konzepte
  • Wiederspielwert durch Entscheidungsfreiheit

Contra:

  • Noch einige Bugs
  • Performance Probleme

Fazit:

Kingdom Come: Deliverance wird nicht nur Backer der Kickstarter-Kampagne und Mittelalter-Fans begeistern. Mit ihrem Debut-Titel legt Warhorse Studios die Latte für Rollenspiele höher, wer sich hier jedoch ein Skyrim 2.0 erwartet, wird enttäuscht werden. Realismus statt Fantasy regiert die virtuellen Landschaften Böhmens. Vorsicht jedoch für Konsolen-Spieler: Laut Berichten in Online-Foren läuft das Spiel auf PC vorerst wesentlich stabiler.

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Kuro ist unter anderem für den technischen Kram bei Motherbot zuständig. Wenn er nicht gerade über Musik schreibt, traut er sich als Bot auch an den ein oder anderen Artikel über Games. Sein erstes Taschengeld gab er für einen Gameboy Color mit Pokémon aus und danach ging's nur mehr bergab. Heute verbringt er den Großteil seiner Abende in Multiplayer-Spielen mit Freunden und fragt sich insgeheim, ob seine Freundin ihre Sims mehr liebt als ihn.