Little Nightmares Review: Der Stoff aus dem Albträume sind

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„Es gibt keine Monster unter deinem Bett!“, haben sie gesagt. „Es wird alles gut!“, haben sie gesagt.
Alles Lügen!

Release 28.April 2017
Genre Puzzle-Platformer, Horror
Plattformen PS4, X1, PC
Entwickler Tarsier Studios
Publisher Bandai Namco Entertainment

Wenn ihr dachtet, ihr seid mittlerweile erwachsen und habt keine Angst mehr vor dem Dunkeln oder den Monstern aus euren kindlichen Albträumen, wird Little Nightmares euch daran erinnern, dass irgendwo in euch drin dieses ängstliche kleine Kind immer noch kauert.

Albtraumgestalten

Das Spiel wirft euch mitten ins Geschehen. Ohne irgendwelche Erklärungen oder Tutorials wacht ihr in den Tiefen eines seltsamen und gruseligen Ortes auf – dem Schlund – und übernehmt die Kontrolle über die 9-jährige Six. Ahnungslos macht ihr euch auf den Weg, auf die Suche nach einem Ausgang, wobei ihr keinerlei Waffen oder Verteidigungsmechanismen besitzt. Nur ein kleines Feuerzeug, die Fähigkeit zu rennen und die Möglichkeit euch in den kleinsten Schatten zu verstecken.

Das Feuerzeug ist Six‘ bester Freund (c) Tarsier Studios & Bandai Namco Entertainment

Auf eurem Weg durch den geheimnisvollen Schlund trefft ihr immer wieder auf groteske Gestalten, die direkt aus einem Albtraum stammen könnten. Beispielsweise solltet ihr euch vor dem Messi Hausmeister in Acht nehmen, der euch mit seinen langen Armen schnell packen kann. Und nicht zu vergessen die Gäste, die mich ungemein an die verfressenen Schweine in Chihiros Reise ins Zauberland erinnert haben und alles verschlingen, was ihnen in den Weg kommt. Auch 9-jährige Mädchen in gelben Regenmänteln. Aber nicht nur menschen-ähnliche Gefahren warten auf euch. Denn in besonders dunklen Ecken des Schlundes verstecken sich kleine blutsaugende Egel, die Six‚ Leben schnell ein Ende bereiten können.

Der Hausmeister ist nur eine von vielen Gefahren im Schlund (c) Tarsier Studios & Bandai Namco Entertainment

Doch nicht alle im Schlund sind eure Feinde. Gelegentlich werdet ihr auch auf kleine Wichte treffen, die genauso verloren sind wie ihr. Also habt ein Herz und umarmt die kleinen Kerle, vielleicht danken sie es euch ja mit einer Trophäe 😉

Das ist ja zum unters Bett kriechen!

Was Atmosphäre angeht, bietet Little Nightmares einen richtig guten Horror-Leckerbissen der ganz besonderen Sorte. Das Design der Figuern erinnert an Knetfiguren, die à la Stop-Motion-Technik zum Leben erwachen. Ähnlich wie bei Tim Burton’s Nightmare Before Christmas, was dem Spiel einen gewissen liebevoll-gruseligen Charme gibt.

Was wohl hier auf die kleine Six lauert (c) Tarsier Studios & Bandai Namco Entertainment

Es braucht keine Jumpscares oder brutale Todesszenen, um das Horror-Genre zu erfüllen. Da man absolut hilflos ist und nichts anderes tun kann, als wegzurennen und sich zu verstecken, entwickelt sich automatisch Panik beim Spielen. Man fühlt sich wie die Beute eines Raubtieres, die um ihr Leben rennt. Unterstrichen wird dieses Gefühl auch durch den Sound, genauer genommen der absoluten, erdrückenden Stille in der man sich befindet, unterbrochen nur gelegentlich vom Herzschlag der kleinen Six.

Fazit

Als Horror und als als Puzzle Game bietet das Spiel viel Unterhaltung. Die kleinen Rätsel, um beispielsweise aus einem geschlossenen Raum zu entkommen, sind nicht zu leicht, aber auch nicht so schwer, dass ihr daran verzweifeln müsst. Mit ein wenig Probieren und Nachdenken, findet ihr die Lösung auf jeden Fall, und das wünscht man sich doch von einem guten Puzzle Game.

Na wo versteckt sich Six denn (c) Tarsier Studios & Bandai Namco Entertainment

Als Platformer spielt sich Little Nightmares allerdings nur akzeptabel. Das Spiel ist von Developer Tarsier Studios, die schon an der Little Big Planet Reihe mitgearbeitet haben. Das merkt man auch gleich an der Steuerung. Aber anders als ähnliche Titel, wie Limbo oder Unravel, ist Little Nightmares ein 3D Platformer, was das Versteckspiel deutlich spannender macht. Dem Platforming hilft es allerdings nicht, da die Steuerung teilweise einfach ein wenig zu ungenau ist, und man dadurch sein Ziel verfehlt und unnötig „stirbt“.

Little Nightmares ist auch kein besonders langes Spiel, denn man kann es in unter 5 Stunden durchspielen. Wer also nach einem längeren Spielspaß sucht, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein. Aber für 19,99€ (Xbox One, PC) bzw. 22,49€ (PS4) ist Little Nightmares meiner Meinung nach ein gelungener kleiner atmosphärischer Ausflug in die Ängste unserer Vergangenheit.

Melle ist als Manga und Animefan aufgewachsen und hat sich mit der Zeit mehr und mehr auch zu einem riesigen Film- und Serienfan entwickelt. Nebenbei hat sie noch ein großes Fable für Games. Schreiben war schon immer eine große Leidenschaft von ihr, die sie nun beruflich umzusetzen hofft.