Lock’s Quest Review: Tower Defense und ein bisschen mehr

PC PlayStation Review Xbox
Release 30.05.2017
Genre Tower Defense / RTS
Plattformen PC, PS4, X1
Entwickler 5th Cell, Digital Continue (Remaster)
Publisher THQ, THQ Nordic (Remaster)

Zur Neuauflage von Lock’s Quest für PlayStation 4, XBox One und PC haben wir das Spiel einmal näher unter die Lupe genommen, um herauszufinden, ob der Titel zurecht relativ unbekannt geblieben oder einfach nur übersehen worden ist.

Üblicherweise sind Tower Defense Spiele ja mehr so Mini-Games ohne Story und Tiefe. Mit Lock’s Quest ist schon 2008 ein Spiel für den Nintendo DS herausgekommen, das mehr liefern möchte.

Kurz für die, denen das Genre nichts sagt: Bei Tower Defense geht es darum, einfallende Gegnerhorden mit einem Netz aus Kanonentürmen, Fallen, Mauern und womöglich noch anderen Hindernissen abzufangen. Man baut einen möglichst nicht passierbaren Pfad und lässt die bösen Jungs dran verzweifeln.

Tower Defense plus Action

In Phase 1 einer Schlacht könnt ihr anfangs nur Mauern und Türme platzieren. Nach und nach schaltet ihr im Spielverlauf auch Fallen und Gefolgsleute frei. Das Arsenal in allen Kategorien erweitert sich später. Wenn die Bauphase vorbei ist – ein bisschen Zeitdruck gibt es hier schon – beginnen die Gegner anzurennen.

Phase 2, in der eure Türme feuern, ist aber keinesfalls passiv. Ihr selbst steuert Lock dabei, müsst eure Verteidigung reparieren, die Gegner selbst angreifen, in schnellen Kombos massiven Schaden und eilige Reparaturen durchführen und später auch mächtige Fähigkeiten entfesseln. Hier unterscheidet sich Lock’s Quest wesentlich von anderen Spielen des Genres: Actionreiches Mitmischen ist gefragt.

Lock's Quest, Gameplay Screenshot 2

Der Grafikstil ist teils dem Original treu, teils wurde er aufgebügelt, wie sich am Bild von Lock erkennen lässt. Während mir der Pixelstil zusagt, fand ich die Figuren eher mäßig – aber das ist wohl eher Geschmackssache. © THQ Nordic

Der Aufbau ist dabei nicht zu unterschätzen. Türme gewinnen erst durch anliegende Mauern an Stärke, und in der kurzen Zeit ein kräftiges Bollwerk zu erschaffen ist schon eine Herausforderung. In der Kampfphase dann nicht den Überblick zu verlieren und gleichzeitig alle Aufgaben zu bewältigen ist nicht immer leicht. Auch müsst ihr sammeln, was eure Feinde fallen lassen, um in der nächsten Phase wieder bauen zu können – Verschnaufpausen sind zwischendurch durch Szenen gegeben.

Tower Defense plus Story

Das Ausgangsszenario ist fast schon ein Klischee: Ihr seid in einem kleinen Dorf mit Schwester Emi und Großvater Tobias aufgewachsen, nun greifen Roboter an und ihr müsst es verteidigen, das ganze Land ist auch bedroht, und so weiter. Klassiker. Denkt man erstmal. Natürlich wollen wir euch die Wendungen der Handlung hier nicht verraten, aber das Spiel hält tatsächlich noch einige Kniffe bereit und bleibt keinesfalls so simpel.

Lock's Quest, Gameplay Screenshot 1

Schnappschuss aus der Schlacht. © THQ Nordic

Als Archineur (Architekt/Ingenieur), was offenbar ein anerkannter Beruf ist, bereist ihr diese Welt, die schon mal einen Maschinenkrieg sah, und müsst viele Szenarios bestehen. Die Szenen, die es zwischendurch immer wieder gibt, lockern das auf. Ein bisschen Motivation bringen sie auch ein: Man will ja schließlich wissen, wie es weitergeht.

Tower Defense minus Qualität

Leider ist der Titel nicht in allen Belangen so phantastisch. Gerade, wenn es um die deutsche Übersetzung geht, sind einige schwere Patzer vertreten. Im einfachsten Fall wirkt einfach nur eine Redewendung deplatziert. In schwierigeren Fällen sind Texte abgeschnitten, sodass im Tutorial öfter mal der letzte Teil einer Erklärung fehlt, oder Menüpunkte sind unverständlich. Nach einem Game Over etwa hat man die Wahl zwischen „NEU STARTEN DIE KARTE“, „NOCH MAL“ und „WEHREN ZURÜCKSETZEN“. Kriegt man schon raus, ist aber nicht ganz klar. Manche Spielelemente werden auch gar nicht erklärt.

Lock's Quest, Gameplay Screenshot 3

Die vielen Icons rundherum verraten schon, dass die Spielmechanik hier ein paar Optionen mehr bietet. © THQ Nordic

Die Steuerung fällt manchmal auch etwas hakelig aus. Etwa kann man hier und da an Kanten und Mitstreitern hängen bleiben, und bis man den Dreh raus hat, dauert es einige Zeit. Bugs gibt es übrigens zuhauf. Einmal sind meine Mitstreiter einfach seitlich durch den Wald aus der Karte geschwebt, einmal hat sich ist ein Menü mit in die Action-Phase geschummelt, sodass ich die Action-Phase von der Action-Phase aus starten konnte, und so weiter. Völlig unklar bleibt anfangs oft auch, welche Reichweite Türme eigentlich haben, und der Verteidigungsbonus an Wehren hat sich manchmal erhöht, indem ich Mauern entfernte, die ihn eigentlich erhöhen.

Fazit

Einige Dinge sind bei der Neuauflage von Lock’s Quest richtig gut gelaufen, andere weniger. In vielen Hinsichten handelt es sich auch weniger um ein Remaster und mehr um ein Re-Release, denn viele musikalische und graphische Details, die man für die große Bühne hätte aufbügeln können, sind unangetastet geblieben – wahrscheinlich auch eine Frage des Budgets.

Graphisch wäre das kein Problem, wenn nicht schon die Vorlage an vielen Stellen schwächeln würde. Musikalisch ist es nun auch dazu gekommen, dass Musik und Sounds manchmal wirklich nerven. Getestet haben wir das übrigens an der PlayStation 4, wo die sehr lauten Controller-Sounds (BING! BING! BING!) auch nicht gedrosselt werden können.

Trotz aller Mängel hat uns das Spiel aber auch einfach Spaß gemacht. Hektisch und spaßig präsentiert sich das Gameplay mit einem regelmäßigen Wandel aus Bau- und Actionsegmenten, die es so im Tower Defense Genre kaum gibt. Wer über kleinere Bugs und andere Qualitätsprobleme hinwegsehen kann, wird hier viel Spaß haben können, und gerade für Genre-Fans lohnt es sich, das Spiel in Erwägung zu ziehen.

D. Sen hasst Videospiele und moderne Medien überhaupt. Er schreibt Videospiel-Reviews, weil kein Verlag seine richtigen Bücher veröffentlicht.