Nuub-Cosplay #02: Der Kampf mit Nähmaschinen und Knopflöchern

Cosplay Let's Craft! Stories

Ein paar Wochen sind vergangen und, neben dem Einkauf von Stoffen und anderen Materialien, hat sich bei uns Cosplay-Nuubies einiges getan. Natürlich werden wir euch kein Detail unsres Abenteuers als the Cutlery of the Empire vorenthalten, weswegen zunächst Jack und abschließend Jess von ihren Erfahrungen und Fehlschlägen ihres Cosplay berichten werden.

Vor der Arbeit kommt das Shoppen

Schritt Eins der Aufgaben für unser Cosplay war es, Stoffe und diverse Materialien zu holen, die wir in näherer Umgebung beschaffen konnten und nicht via Internet bestellen mussten. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so viel Zeit in einem Textilienfachhandel verbringen könnte. Zugegeben, den richtigen Stoff zu finden, oder zumindest einen, der den eigenen Vorstellungen entspricht, ist ziemlich schwer, aber nach geschlagenen 4 Stunden war ich doch ganz froh, wieder aus dem Geschäft flüchten zu können. Und ich dachte schon, Gewand und Schuhe einkaufen wäre anstrengend …

Delilah die Erste – All Hail The New Empress

Nachdem ich also nach Wien gefahren bin, um mit Jess Stoffe einkaufen zu gehen, wollte ich beginnen die einzelnen Teile für das Korsett zuzuschneiden. Doch dafür brauchte ich die Hose, an der ich die Länge des Korsetts anpassen musste. Bei Delilah geht es ungefahr bis zum Bauchnabel – geschätzt natürlich – allerdings kommt es mir so vor, als wäre ihre Taille, oder auch generell ihr Oberkörper, doch gar etwas „lang“ geraten. Trotzdem versuche ich, mein Cosplay so detailgetreu wie möglich zu gestalten.

Als ich also die passende Hose gefunden hatte, konnte ich damit beginnen ein bestehendes Korsett zu nehmen und zu zerlegen. Natürlich gibt es im Internet Schnittmuster für Korsetts, aber ehrlich, ich werde das Teil den ganzen Tag tragen und da will ich, dass es zwar natürlich fest sitzt, aber auch bequem ist – und kein Korsett sitzt wie das andere, zumindest habe ich persönlich diese Erfahrung gemacht. Also habe ich mir eines genommen, das sich bequem schnüren lässt und dennoch gut sitzt und habe daran zusammen mit der Hose die Länge des neuen Korsetts abgemessen. Danach habe ich es zerlegt und die Stücke dann auf dem Stoff aufgelegt, um die einzelnen Teile dann herauszuschneiden – war gar nicht mal so einfach 😀

Mein Feind, die Nähmaschine

Und dann kam erst die richtige Herausforderung: das Nähen auf der alten Nähmaschine meiner Mum. Die hat nämlich kein Pedal, das man mit dem Fuß bedient, sondern eine Metallstange, die man mit dem Knie zur Seite drückt. Als meine Mum mir erklärte, wie ich die Nähmaschine bedienen müsste, dachte ich anfangs, sie würde mich auf den Arm nehmen …

Mum erklärt mir, wie die alte Nähmaschine funktioniert © Jack

Zudem kommt noch dazu, dass sie etwas mehr „Gas“ braucht – ich nenn’s jetzt mal so – und dann aber nicht sofort darauf reagiert. Da summt sie noch vor sich hin, bis man vorsichtig immer ein wenig mehr und mehr drückt und plötzlich springt sie an und näht in einer Geschwindigkeit los, wo ich die ersten paar Male nicht so wirklich hinterhergekommen bin. Manchmal reagiert sie aber sofort und beginnt langsam – hat wohl ihren eigenen Willen.

Deswegen, und natürlich auch, weil ich ja noch nie damit gearbeitet habe, wollte ich zuerst etwas üben – immerhin wollte ich die Stoffteile nicht gleich noch einmal ausschneiden müssen …
Und da hat der Kampf erst richtig begonnen.

Ein Cosplay kostet Zeit und Nerven

Der Stoff des Korsetts – ich glaube, im Geschäft stand „Duchesse“ – ist seidig und etwas rutschig, wodurch die Maschine ihn manchmal nicht „greifen“ und weiterschieben konnte. Das heißt, die Nadel sticht immer wieder in dieselbe Stelle … und das franst den Stoff etwas aus. Manchmal hatte ich den Wunsch, den Tisch mitsamt dem Teil einfach abzuräumen, habe mich dann aber doch für gemurmelte Flüche und Grummeln entschieden, während ich weitergearbeitet habe. Und wenn die Maschine so nicht gezickt hat, dann hatte eben Mal der Unterfaden einen Mangel oder aber sie hat wieder plötzlich ganz rasch genäht.

Trotzdem, auch wenn ich das Gefühl habe, dass wir uns gegenseitig hassen, hat es doch funktioniert und ich konnte die Stücke zuerst einfach zusammennähen, ehe ich sie geendelt habe. Anschließend bin ich vorsichtig mit dem Bügeleisen drübergegangen, damit ich das Ende dann locker nochmal drannähen konnte, um dem Ganzen mehr Halt zu geben, damit die Nähte besser halten, wenn ich es dann später schnüre.

Durchhaltevermögen ist alles

Da Delilahs Korsett vorn geschlossen ist, konnte ich auch nicht einfach eine linke und rechte Seite machen, sondern musste vorn ein durchgehendes Stück machen, denn selbst wenn ich es teilen und anschließend zusammennähen würde, dann wäre immer noch eine Naht vorn in der Mitte zu sehen und das wollte ich vermeiden.
Aber es hat auch so gut funktioniert und ich konnte den ersten Teil des Korsetts fertigstellen.

Der erste fertige Teil des Korsetts. Leider ist es nicht zu hundert Prozent gerade und hat ein paar Fehler, aber ich bin dennoch zufrieden damit © Jack

Die Plastikstangen, welche zum Verstärken hineinkommen und in einer Rolle verkauft werden, habe ich geschnitten, mit Artbooks beschwert und werde sie, sobald sie sich nicht mehr einbiegen, mit einem etwas helleren Stoff auf die Vorderseite aufnähen. Zusätzlich habe ich begonnen einen seidigen Stoff als quasi Innenfutter einzunähen, damit es bequemer zu tragen ist, aber damit bin ich noch nicht fertig.

Währenddessen habe ich schon fast alle anderen Sachen beisammen – angefangen von Worbla für den Gürtel, bis hin zu Fimo für den Knopf und Ohrringe. Einen geeigneten Blazer habe ich mittlerweile auch endlich gefunden, wobei es gar nicht so einfach war, eine gut passende Farbe und auch noch denselben, bzw. einen ähnlichen Stoff wie den der Hose zu finden.
Sobald das Korsett fertig ist, werde ich mit dem Gürtel beginnen.

What shall we do with a drunken Whaler … ?

Da Daud und Thomas, beziehungsweise die Whaler im Generellen, die gleichen Kostüme tragen, entschied ich mich, das Cosplay für beide Charaktere zu übernehmen. Dass dies mehr Arbeit bedeutet, war mir zwar bewusst, dass es aber um so viel mehr Arbeit ist, stellte sich erst im Laufe der Herstellung heraus.

Nach einer großen „Stoff Shopping Tour“ auf der Mariahilfer Straße, hatte ich so ziemlich alle Stoffe beisammen, die ich brauchte. Entschieden habe ich mich für Baumwolle für die Hemden und für die Mäntel, sowie für Kunstleder für die Gürteln und die Gamaschen.

Doch wie beginnt man, wenn man vom Nähen keine Ahnung hat?

Tipp1:

Meine Arbeitsdevise ist oft „In meinem Kopf macht das Sinn“ und so hab ich mir einfach ein altes Hemd geschnappt, aufgetrennt und danach ein Schnittmuster gezeichnet.

Da Frauen anatomisch anders gebaut sind, musste ich beim Schnittmuster für Stefan darauf achten, dass die einzelnen Teile nicht zu hüftlastig sind. (Anm.: Frauen: schmale Taille & breitere Hüfte, Männer: Taille & Hüfte meist gleichbreit).

Fail1:

Der erste Versuch das Hemd für mich zu schneiden ging nach hinten los, da ich es an der Hüfte nicht zubekommen hab – ich konnte es aber kurzerhand in Stefans Hemd umwandeln.

Die einzelnen Teile zusammenzunähen war die kleinere Herausforderung, mein persönlicher Endgegner beim Hemd waren die Knopflöcher. Obwohl meine Nähmaschine eine eigene Knopflochfunktion besitzt, hat es mich eine halbe Ewigkeit gekostet, bis ich die passenden Einstellungen für Weite, Länge und Spannung gefunden habe – und das Ganze hat mich nur 3 Wutanfälle gekostet. 😉

Obwohl das Cosplay der Whaler eigentlich aus Hemd, Gilet und Mantel bestehen, haben Stefan und ich uns entschieden, die hellbraunen Ärmel direkt an das weiße Hemd zu nähen, um die Schichten zu umgehen. (Ich denke, dass es im August schon warm genug sein wird. ^^)

Jetzt fehlen nur noch die Ärmel (der Stoff ist unterwegs) und der Kragen – wird der die Knopflöcher als Endgegner ablösen? Hmm …

Für die Gürtel musste ich erstmal feststellen, dass sie nur um die Brust zu schnüren nicht genügt, weil es sich an der Schulter und unter der Achsel zu sehr wölben würde. So musste ich sie aus 2 Teilen formen, die an den jeweiligen Enden schräg abgeschnitten wurden, um sich der Körperform anzupassen.

Fail2:

Und ich dachte, es würde reichen, wenn ich hinten und vorne die gleiche Länge nehmen. Dennoch fällt schon mal etwas Länge weg, weil die Enden umgenäht werden und … was das eigentliche Problem war, der Gürtel musste in eine Schnalle und noch über stehen. Im Nachhinein ist man ja bekanntlich immer klüger.

Schwierig gestaltete sich die Suche nach 10cm/8cm breiten, 2-dornigen Gürtelschnallen, die einen flachen und breiten Rand haben – aber wie so oft, mussten wir auch hier Abschnitte machen, wobei wir mit dem Endergebnis sehr zufrieden sind.

It’s all about a good 3D Model

Zum Ende etwas technisch-kreatives.

Die Whaler tragen, um weitgehend anonym zu bleiben, Gasmasken und verbergen damit ihre Gesichter.

Es hätte die Option gegeben „original“ Gasmasken von 3D Props Artists zu kaufen, aber wir haben uns dagegen entschieden, weil 1.) sehr teuer und 2.) wollen wir so viel wie möglich selbst machen.
Deswegen haben wir uns alte russische Gasmasken besorgt, die vom Material und von den Augengläsern her, passend sind.

Das einzige Problem stellt der Luftfilter dar, den der hat ein ganz spezielles Design im Spiel. Deswegen habe ich mit Autodesk Maya den Luftfilter 3D nachmodelliert – ein Freund von uns ist so nett und druckt den Filter.

Die ersten erschöpfenden Wochen sind vorbei und obwohl wir wissen, dass noch viel Arbeit auf uns wartet und die Zeit knapp wird, verschaffen uns die bereits fertiggestellten Dinge neben Stressfalten auch weitere Motivation, um auf jeden Fall weiterzumachen – was man nicht alles tut für ein Cosplay!

Wir freuen uns auf den nächsten Beitrag von Nuub-Cosplay und verabschieden uns mit den berühmten Worten:

Shall we gather for whiskey and cigars tonight?

Jack wurde schon als kleines Kind von den Viren Zeichnen und Videospiele angesteckt. Nebenbei schreibt sie auch gern Storys oder fotografiert - alles, was eben Kreativität erfordert. Das Entstehen eines Charakters, egal ob in Videospielen oder Filmen, hat sie immer schon begeistert und sie liebt es, sich in deren Geschichten zu verlieren. Vor allem die Welten von Dishonored, Thief und Assassin's Creed halten sie bis heute fest und begeistern sie bis über alle Maßen. Zu ihren größte Schwachstellen zählt aber auch die Flauschigkeit der süßen Waschbären.