Nuub-Cosplay #03: Der letzte Schliff der Cutlery of the Empire

Cosplay Let's Craft! Stories

Es war ein langer Weg und da wir alle so beschäftigt waren, das Cosplay bis zur Gamescom fertigzustellen, haben wir uns dazu entschlossen, euch erst nach der Messe mit den aktuellsten Informationen von the Cutlery of the Empire zu füttern, da wir sonst vermutlich nicht fertig geworden wären.

Das Schlimmste kommt immer zuerst

Dachte ich jedenfalls – da hatte ich noch nicht begonnen, den Blazer zu bearbeiten. Aber dazu später mehr.

Weiter ging es mit dem Korsett, denn nachdem der erste Teil endlich fertig war, konnte ich damit beginnen, das Innenfutter anzubringen. Soweit ich mich richtig erinnere habe ich dafür Futterseide genommen. Das Korsett war so nicht nur bequemer zu tragen, es wurde so auch noch ein wenig verstärkt, vor allem was das Ende betrifft, denn ich muss gestehen, dass ich die Befürchtung hatte, dass die Ösen eventuell ausreißen würden.

Von Streifen und Stäben

Sowie also das Innenfutter dran war, konnte ich mich daran machen, die Stäbe zu befestigen. Dazu habe ich einfach von dem helleren Stoff ein paar Streifen abgeschnitten, Linien in einem Abstand von 1,6cm eingezeichnet und daran entlanggenäht. Dann wurden sie noch einmal umgeschlagen und anschließend der Stab einfach hineingeschoben – klingt etwas kompliziert, war es aber eigentlich gar nicht so sehr. Ich muss dennoch gestehen, dass ich angenommen hatte, dass 1,6cm doch zu wenig gewesen wären und der Stab nicht reinpassen würde, aber es hat dann doch gut geklappt.

Damit war die Arbeit allerdings noch nicht erledigt, denn wie ihr am Bild sehen könnt, ist der geendelte Teil noch zu sehen – das hat nicht sonderlich toll auf mich gewirkt und hätte am Cosplay auffallen können. Also habe ich nochmal den helleren Stoff genommen und weitere Streifen abgeschnitten, mit jeweils 4cm. 2cm wurde der Streifen breit und 1cm jeweils auf beiden Seiten nach hinten umgefalten, damit man die geschnittenen Stellen nicht sehen würde.

Mit viel Geduld und Feingefühl

Das aufzunähen war wiederrum ein echter Krampf – natürlich ist eine kleine Erhöhung durch den  Stab vorhanden, auf dem der Nähfuß nun mit einer Seite stehen muss. Und natürlich musste ich dann äußerst darauf achten, dass das nicht verrutscht.

Aber es hat dennoch geklappt und so hat mir das Ganze dann auch viel besser gefallen. Trotzdem: die Arbeit war damit noch nicht zu Ende!

Der erste Teil des Cosplay war bestanden!

Neben den Ösen, welche ich nicht mit einer normalen Lochzange machen konnte, sondern mit einem Locheisen, musste ich natürlich noch den Rand anbringen. Dazu habe ich mir wieder Streifen des helleren Stoffes hergenommen und zugeschnitten, mit 8cm, wobei ich es 3x gefalten habe, damit der Rand ca 2cm hat. Der Grund für dieses Herumgefalte ist eigentlich recht einfach – man sieht nirgends den Rand, wo der Stoff geschnitten wurde und außerdem ist es etwas stabiler.

Der Unterste Teil des Randes – war gar nicht so einfach, wie es aussieht © Jack

Somit war das Korsett nun endlich fertig – das hat mich eindeutig am meisten Zeit gekostet und war auch wahnsinnig anstrengend! Der schlimmste Teil des Cosplay war somit überstanden, oder? Das dachte ich jedenfalls…

Schnipp, Schnapp – Mähne ab!

Ja, darauf habe ich mich wohl am meisten gefreut: das Haare schneiden. Ich hatte einen Undercut und habe mir die oberen Haare elendig lange wachsen lassen. Eigentlich gab es keinen Grund dafür, ich hatte eben Lust drauf. Wenn mir eine Frisur zu langweilig wird, dann wird sie verändert – natürlich dauert es länger, Haare wachsen zu lassen und deswegen war ich einfach nur froh, dass ich endlich auch eine Idee für eine neue Frisur hatte.

Delilah trägt ihre Haare ja kurz und zurückgestrichen, das kann ich natürlich fürs Cosplay so tragen, aber für den Alltag wäre das nichts für mich. Also hatte ich mich für einen Undercut-Pixie entschieden. Und es war eine gute Entscheidung – es passt fürs Cosplay, es gefällt mir und außerdem sind sie pflegeleichter. Mit den langen Haaren hatte ich das Bad immer ewig belegt…

Was man nicht alles fürs Cosplay tut…

Die Qual der Wahl

Das nächste Problem kam aber schon auf mich zu: Kontaktlinsen. Delilah hat gräuliche Augen, allerdings habe ich braune Augen… und was passiert, wenn man färbige Kontaktlinsen nimmt, welche eine hellere Farbe als die eigene Augenfarbe haben, aber noch natürlich aussehen sollen? Richtig: man sieht kaum etwas.

Und die meisten Kontaktlinsen, die ich gesehen habe, bzw. wo ich selbst schon Erfahrung gesammelt habe und welche auch decken würden, sehen meist einfach unnatürlich aus. Tja, also habe ich ziemlich lange gesucht… bis mir dann von einer guten Freundin eine Seite empfohlen wurde, wo ich die Linsen dann aus Asien bestellen könnte. Immerhin haben die ja eigentlich alle dunkle Augen. (No offense, aber ich persönlich kenne einfach keine Asiaten mit hellen Augenfarben 😉 )

Woher die anderen Leute Kontaktlinsen fürs Cosplay beziehen…?

Worbla vs. Korkenzieher-Weide

Die Schulterteile waren eine kleine Herausforderung für mich. Anfangs hatte ich keine Ahnung, wie ich vorgehen sollte, aus welchem Material ich die Äste machen sollte – und das Ganze muss dann ja auch noch auf den Blazer.

Bis mir mein Cousin sagte, er hätte Korkenzieher-Weide in seinem Garten wachsen, dessen Äste sich ganz witzig eindrehen. Also habe ich ihn gebeten, mir davon ein paar Äste abzuschneiden, habe sie trocknen lassen und dann die Blätter davon entfernt, mit Jess zusammengeschnitten und derweil in einer Box gesammelt. Stefan war auf die Idee gekommen, dass wir die Äste auf einem Stück Worbla mittels Heißkleber anbringen könnten. Auf dem Schulterschutz aus Worbla könnten wir dann Klettverschluss ankleben und das andere Stück auf dem Blazer anbringen. Ein guter Plan – und ein besserer viel uns nicht ein, also versuchten wir es.

Korkenzieher-Weide © Jack

Natürlich hat es mich einiges an Zeit gekostet, jeden Ast einzeln aufzukleben – abgesehen davon musste ich aufpassen, ich durfte den Ast nicht sofort mit dem Heißkleber aufdrücken, sondern musste ein paar Sekunden warten. Der Heißkleber war nämlich so heiß, dass das Worbla begonnen hatte, sich darunter zu verformen – hätte ich nicht aufgepasst und das nicht sofort bemerkt, hätte ich den Ast wohl einfach durchgeschoben… upps!

Nachdem die Schulterteile, welche aussahen wie kleine Holz-Igel, fertig waren, konnten sie mit einem grauen Spray grundiert werden, ehe sie danach mit Airbrush noch etwas helleres Grau, gemischt mit etwas Blau verpasst bekamen.

Worbla und Fimo – das Zeug aus der Wunderkiste

Stefan war so nett und hat sich für mich an den Gürtel, die Ohrringe und die Brosche geschmissen – das Korsett und die Holz-Igel hatten mich so viel Zeit gekostet, dass ich sonst vermutlich nicht fertig geworden wäre.

Der Gürtel besteht komplett auf Worbla, Schicht für Schicht ausgeschnitten und zusammengedrückt. Es reicht, das Worbla zu erhitzen, sodass man es gut verformen und aneinanderpicken kann. Insgesamt besteht der Gürtel aus 4 Schichten, damit er stabil bleibt, aber dennoch etwas verbogen werden kann, um ihn anzuziehen. Auf dem Korsett wurde er ebenfalls mit Klettverschluss fixiert.

Die Brosche und die Ohrringe wurden aus Fimo gefertigt, wobei Stefan mehrmals neu anfangen musste. Der untere Teil, wo sich das Loch befindet, ist beim Backen des öfteren einfach gerissen. Da ich mein linkes Ohrläppchen auf 10mm aufgedehnt habe, musste ich den linken Ohrring an einem Plug ankleben, um ihn tragen zu können.

Eine kleine Erholung

Im Vergleich zum Rest der Sache waren die Handschuhe und die Hose wie eine kleine Pause.

Die Handschuhe brauchte ich lediglich mit einem hellen Grau ansprühen, was mit dem Airbrush recht schnell erledigt war. Dann spannte ich sie über leere Plastikflaschen, denn die Ranken wollte ich mit PlusterTexx machen, was jedoch um die 8 Stunden zum trocknen benötigte. PlusterTexx konnte ich nur in kleinen Mengen bestellen, weswegen ich sie einfach zusammengemischt und dann aufgetragen hatte. Dann malte ich noch mit Citadel-Farben darüber, um einen braunen Grundton zu bekommen und mischte danach etwas Braun mit Gold und Grün. Damit der Grundton aber nicht komplett abgedeckt wurde, konnte ich die andere Schicht nur trockenbürsten.

Die Hose war recht einfach, da ich sie eigentlich nur zu kürzen brauchte. Ich musste einen Teil nur abschneiden, den Rand überschlagen und annähen, genau so wie es am Ende der Hose gemacht wurde. Da man die Naht allerdings nicht sehen sollte, musste ich das mit der Hand anstatt mit der Nähmaschine machen, was natürlich etwas zeitaufwändig war.

Der Endboss

Der eigentliche Krampf an der Arbeit war nicht das Korsett, so wie ich eigentlich gedacht hatte, sondern der Blazer. Ich musste ihn nicht nur kürzen, sondern auch die Blätter an Kragen und Rücken anbringen. Das Kürzen war schon eine Herausforderung, da das Innenfutter sehr leicht verrutschte und sich der Blazer somit verzog.

Die Blätter dafür musste ich einzeln ansprühen, da der Stoff, aus welchem der Kunstefeu besteht, einfach nicht zu färben ist. Um seinen grünen Grundton also zu überdecken, musste ich sie mit grauerm Spray bearbeiten, wobei mir Stefan geholfen hatte, denn es waren Unmengen an Blättern – und sie mussten ja einzeln bearbeitet werden. Als sie endlich trocken waren, ging es dann ans Aufnähen. Natürlich erledigte ich das mit der Nähmaschine, was sich aber als die nächste Herausforderung herausstellte, denn durch die kleine Lampe, welche über dem Fuß angebracht worden war und mir Licht spenden sollte, begannen die Blätter aneinanderzukleben und wurden durch den Fuß nicht weitergezogen, wodurch das Innenfutter zusammengestaucht wurde und sich der Blazer mal wieder verzog. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Stunden ich an den Mist-Blättern gesessen bin, aber ich war so froh, als ich endlich damit fertig war. Das Annähen der Klettverschlüsse war einfacher, aber ich musste die Nähmaschine ein wenig treten, um durch den Schulterpolster durchzukommen.

Die Rosen musste ich zum Schluss von Hand annähen, damit sie die Blätter nicht verzogen oder sich das Innenfutter nicht wieder sträubte.

Whaler und ihre Handtäschchen

Um all die Waffen, Tränke, Granaten, Messer und Bolzen herumtragen zu können, benötigen die Whaler Taschen. Am besten sehr viele Taschen. Daud sowie auch Thomas tragen daher an Bauch- und Hüftgurt kleine lederne Täschchen, die an futzi-Arbeit nicht zu übertreffen waren. Ich habe sehr lange überlegt und versucht, wie ich die Taschen am besten herstelle, denn das Kunstleder war nicht sonderlich bearbeitungsfreundlich. Nur mit großer Müh und Not hab ich es geschafft, mit der Naht nach außen gedreht, die kleine Teile zusammenzunähen. Die Schnallen hab ich dann kurzerhand mit Textilkleber aufgeklebt – schließlich hatten diese bereits eine Ziernaht.

Die tragen doch Stiefel, oder?

Ja, sehr wahrscheinlich, dass die Whaler ebenso Stiefel tragen. Da diese aber so nicht kaufbar sind, haben Stefan und ich uns einfach Herrenschuhe gekauft und Gamaschen angefertigt.

Die erste Idee war diese aus dem tollen braunen Kunstleder selbst zu nähen, da das Leder aber viel zu unbiegsam war, haben wir auch die Alternative zurückgegriffen schwarze Piratengamaschen bestellt und diese gepimpt.

Und da wir ein Augenmerk auf unsere Umwelt legen, haben wir die Krempe kurzerhand für unsere Handschuhe verwendet.

The Power of Airbrush – The Weathering Process

“Ich weiß nicht mal, wie ich das Ding halten soll…”, war mein erster Gedanke, als Stefan mit der Airbrush Pistole ankam, aber „Übung macht den Meister“ und so habe ich einfach begonnen. Die wenigen Übungsfetzen hab ich schnell beiseitegelegt und begonnen am Hauptstück zu arbeiten – dem Mantel.

Daud trägt einen abgetragenen Ledermantel, da wir aber für die Mäntel Baumwolle verwendet haben, war es eine Herausforderung dieses Material Leder-like zu machen. Das bedeutet, dass die Nähte sehr Dunkel blieben, in Dauds Fall ein sehr dunkles Bordeauxrot bis Rotbraun. Auch die Stellen, wo Stoffe aufeinander liegen, blieben dunkel. Da Leder Licht sehr stark reflektiert, Baumwolle das aber einfach nicht tut, war es eine Herausforderung, die Hightlights so zu sprühen, dass es auch nach Leder aussieht. (und dabei noch aufpassen, dass es nicht rosa wird^^)

Nach den ersten Strichen und Sprühern ist natürlich meine Ungeduld etwas rausgekommen, denn es dauert einfach, bis man ein brauchbares Ergebnis sieht.

Dem gleichen Prozess unterliefen die Gamaschen und die Schuhe – etwas Dreck musste ran 😉

Das sind die Gatsch-Schuhe. © Jess

Den 3D Gasmaskenfiltern stand nun auch der Mal- und Weathering Prozess bevor. Die Grundierung war recht einfach – schwarz muss es sein und so half uns Chaos Black den Druck zu verdunkeln.

Die Kunst der Verteidigung oder aber „Das Holzschwert darf nicht mit“

Mein Vater hatte im Schweiße seines Angesichts die Langdolche der Whaler aus Vollholz geschustert? Gemeißelt? Geschreinert? Wie auch immer… er hat sie selbst gemacht und das Ergebnis war wirklich sehenswert.
Leider machten uns die Cosplay-Richtlinien und die Hallenordnung einen Strich durch die Rechnung, denn man durfte keine Waffen mit sich führen, die aus 100% Holz bestehen.
Stefan hat lange überlegt, wie wir nun eine verwendbare Kopie davon machen können. Schließlich hat er die Klingenform mit Worbla nachgeformt. Den Rest hat der gute Herr Handwerker mit Balsaholz bestückt. Das weiche Holz erfreut sich großer Beliebtheit bei den Modellbauern, da es aufgrund seiner geringen Dichte sehr leicht ist. Außerdem hat es eine schöne Holzmaserung, was bei den Griffen der Dolche nützlich war.

 

Auch wenn es Spaß gemacht hat, sind wir sehr erleichtert, dass wir es geschafft haben das Cosplay rechtzeitig zur Gamescom fertigzustellen. Wir hoffen, dass euch die Nuub-Cosplay Reihe auch dazu motivieren konnte, ein eigenes Projekt zu starten. Auch wenn man Anfänger in Sachen Cosplay ist, konnte euch dieser Beitrag hoffentlich zeigen, dass auch Noobs ohne Erfahrung etwas Gutes auf die Beine stellen können.

Im letzten Beitrag von Nuub-Cosplay werden wir euch das fertige Cosplay präsentieren und über unsere Erfahrungen auf der Gamescom berichten.

Jack wurde schon als kleines Kind von den Viren Zeichnen und Videospiele angesteckt. Nebenbei schreibt sie auch gern Storys oder fotografiert - alles, was eben Kreativität erfordert. Das Entstehen eines Charakters, egal ob in Videospielen oder Filmen, hat sie immer schon begeistert und sie liebt es, sich in deren Geschichten zu verlieren. Vor allem die Welten von Dishonored, Thief und Assassin's Creed halten sie bis heute fest und begeistern sie bis über alle Maßen. Zu ihren größte Schwachstellen zählt aber auch die Flauschigkeit der süßen Waschbären.