Orwell Review: Orwell is watching you!

Indie PC Review

Das Indie-Game Orwell von Osmotic Studios ist seit Oktober 2016 auf Steam für PC erhältlich und verspricht dem Spieler ein ähnliches Simulations-Erlebnis wie der Indie-Klassiker Papers, Please: Über das Leben unschuldiger oder schuldiger Personen zu entscheiden und eben ein bisschen Staatsgewalt spielen zu können, ohne dass es sich falsch anfühlt. Denn immerhin sammeln wir doch nur Daten über Personen, um Gefahren auszuschließen, oder? Ganz zur wohlmöglichen Bestürzung des entfernten Namensgeber George Orwell und 1984. Ihr versteht schon – Spionage halt. Und das erwartet euch in Orwell:

Die Arbeit als Spion für den Staat

Zu Beginn bekommt man eine Begrüßung und eine kurze Einführung in das Überwachungsprogramm von Orwell, das euch helfen soll öffentliche und private Informationen bei Personen von Interesse zu durchforsten. Allerdings bezieht sich diese wirklich nur auf das Bedienen und nicht etwa auf die Auswirkungen eures Handelns. Das Gameplay gestaltet sich recht einfach, da lediglich ein Computer bedient wird, der auch Zugriff auf die Handys oder Notebooks der in Verdacht geratenen Personen hat. Der ganze Spionageakt läuft sehr flüssig und nur die Maus reicht aus, um alles im Griff zu haben. Daher gibt es keine komplizierte Steuerung, die die Aufmerksamkeit vom wichtigstem Aspekt von Orwell ablenken könnte: Der Story.

Willkommen zu deinem neuen Job! ©Screenshot

Willkommen zu deinem neuen Job! ©Screenshot

Ausspionieren um Menschen zu schützen

Der Auslöser für den Beginn unseres Falls war ein Bombenanschlag, bei dem ein terroristischer Hintergrund vermutet wird. Ihr beginnt also etwas nachzuforschen: wer war an dem Tag in der Nähe? Wer hatte vielleicht schon eine Polizeiakte und warum? Ihr sammelt kleine Datenfetzen und ladet diese hoch umso den Staat zu helfen. Nach und nach füllt sich so die Akte der jeweiligen Person, während ihr Mails, Telefonate, Homepages oder auch deren PC durchstöbert. Das Spiel gibt einem relativ schnell das Gefühl, dass man etwas richtiges tut, denn es gibt tatsächlich die Möglichkeit, nur durch das Suchen von Daten und Zusammensetzen dieser Menschen zu retten. Würde man das Spiel hier beenden, könnte man mit einem guten Gefühl zu Bett gehen.

Alles beginnt mit einem Bombenanschlag. ©Screenshot

Alles beginnt mit einem Bombenanschlag. ©Screenshot

Richtig oder falsch?

Doch je weiter die Story voranschreitet, umso mehr bekommt man ein schlechtes Bauchgefühl. Man landet in einem inneren Zwiespalt und muss sich öfters fragen: Wie viel ist einem die Privatsphäre wert? Wie weit darf man gehen um die totale Überwachung aufzuhalten? Oder auch umgekehrt: wie viele Menschen kann man beschützen mit einen Überwachungssystem wie Orwell? Jedes Datenfragment, dass man hochlädt hat später eine Auswirkung auf das Ende, denn davon gibt es gleich mehrere. Daher entscheidet der Spieler über das Schicksal mehrerer Menschen, egal ob er will oder nicht. Zu viel will ich aber nicht verraten, denn hier gibt es massive Spoiler-Gefahr!

Daten sammeln von verdächtigen Personen als Beruf. ©Screenshot

Daten sammeln von verdächtigen Personen als Beruf. ©Screenshot

Was spricht also für Orwell?

  • aktuelle und gut umgesetzte Thematik
  • einfach zu beherrschen und trotzdem packend
  • Entscheidungen beeinflussen den Verlauf
  • gut entwickelte Charaktere, daher kein klassisches Gut oder Böse
  • angenehmer, nicht aufdringlicher Soundtrack
  • packende Story

Und was spricht gegen Orwell?

  • mit etwa vier Stunden Spielzeit nicht sonderlich lange
  • gerade SMS und Ähnliches lesen sich ziemlich gekünstelt
  • man hat nicht so viel Freiheiten, wie man gerne hätte

Fazit?

Orwell ist eben kein typisches Spiel: Es gibt keine Actionszenen oder Ähnliches und trotzdem tippe ich diese Review, nachdem ich Orwell in einem Zug durchgespielt habe. Anfangs ist es noch etwas schleppend, aber nach kurzer Zeit zieht das Spiel geradezu in die Story hinein. Die gesamte Thematik der Datenwirtschaft ist passend für unsere digitale Zeit und Zeitgeist und regt dadurch an, zu reflektieren und sich näher damit auseinanderzusetzen, welche Macht persönliche Daten wirklich haben.

Orwell empfehlen ich vor allem, wenn ihr lesehungrig seid wie ich und ebenso bereit seid viel zu lesen. Sehr viel. Lasst ihr euch darauf ein, wird Orwell am Ende seine Spur bei euch hinterlassen und ist definitiv seine knappen 10 Euro wert.

Julia ist gerade in ihrer Ausbildung zur Haargärtnerin und großer Indie-Fan, wenn es um Games geht. Neben einigen alten Spielekonsolen teilt sie sich ihre Wohnung außerdem mit sechs beinlosen Mitbewohner und einem Zweibeiner namens Kuro.