Star Wars Battlefront 2 Review: EA und die Dunkle Seite der Macht

PC PlayStation Review Xbox
Entwickler Electronic Arts
Publisher EA DICE
Genre Shooter
Plattformen PC, PS4, XBO

Es war einmal vor nicht so langer Zeit in einer nicht so weit entfernten Galaxis. Um genau zu sein am 17. November 2017, auf PC, PlayStation 4 und Xbox One. Mit Star Wars Battlefront II kommt der Nachfolger des kontroversen, ersten Teils zwei Jahre später auf die heimischen Bildschirme. Pünktlich zum neusten Leinwand-Abenteuer der Space-Saga geht auch die Neuauflage des kultigen Shooters in die nächste Runde.

Der hochangesehene Name des Star Wars-Franchises bringt auch hohe Erwartungen an EA mit, vorallem nachdem ein Großteil der treuen Fanbase des Sci Fi-Klassikers über den ersten Teil aus dem Jahr 2015 enttäuscht war. Dies ist vor allem ärgerlich, da die spirituellen Vorgänger aus den Jahren 2004 und 2005 zu ihrer Zeit beinahe sektenhafte Anhängerschaft gefunden hat, die dementsprechend auch hohe Ansprüche an die Neuauflage von EA stellt. Mit Star Wars Battlefront II versprach man Fehler wie den Mangel an Einzelspielerinhalten und Raumschiffen, wieder gutzumachen.

Die dunkle Seite der Macht

Star Wars Battlefront II machte in den letzten Wochen vor dem Release eher negative Schlagzeilen. Das teuflische Lootboxen-System ist aber nicht das einzig Böse am neuen Weltall-Shooter. Der zweite Teil der neuaufgelegten Battlefront-Reihe kommt nämlich erstmals wieder mit einer Einzelspieler-Kampagne, diesmal aus der Sicht des Galaktischen Imperiums.

Am Anfang des Solo-Abenteuers findet man sich als gefangene, imperiale Soldatin auf einem Schiff der Rebellen wieder. Als richtiges Mitglied einer Elite-Truppe bleibt man jedoch nicht lange in seiner Zelle. Nach einer erfolgreichen Flucht muss der Spieler dann alles daran legen, die Rebellion niederzuschlagen. Zugegebenermaßen fühlt es sich schon etwas komisch an, nach drei Filmen (vier, inklusive Rogue One) auf Seiten der Rebellen-Allianz plötzlich auf die Dunkle Seite zu wechseln, interessant war der neue Blickwinkel aber auf jeden Fall.

Der imperiale Inferno-Trupp mit Commander Iden Versio. ©EA

Von dem moralische Dilemma einmal abgesehen bringt die neue Kampagne aber einige gute Ansätze mit sich. Das ganze Spiel fühlt sich beinahe wie Kreuzerfahrt durch das Star Wars-Universum an, mit Halten an den ikonischen Schauplätzen der Saga. Der fließende Wechsel zwischen Boden- und Raumschiff-Missionen sorgt dabei für eine gewisse Balance und Abwechslung. Trotz allem ist die Bezeichnung Kampagne vielleicht etwas gutwillig gewählt. Die relativ kurze Story spielt sich mehr wie eine Abfolge zusammenhangsloser Einzelmissionen, dadurch prägen sich einem die Charaktere kaum ein. Schade eigentlich, Iden Versio wirkt wie ein knallharter Commander und würde einen guten Aufhänger für eine detailreiche Kampagne bieten. Als sich dann auch noch aus dem Nichts eine Art Liebesgeschichte entwickelt hat, waren meine Hoffnungen an Story endgültig zerstört.

Du warst der Auserwählte!

EA versprach mit Battlefront II viele Neuerungen und Verbesserungen gegenüber dem ersten Teil. Ankündigungen von Weltall-Schlachten und der Soloplayer-Kampagne heizten die Erwartungen an den zweiten Teil noch mehr an. Zusammen mit den zwei Fraktionen aus den Klonkriegen wurden auf den ersten Blick alle Wünsche der Fans berücksichtigt. In der Star Wars-Fangemeinde machte sich eine neue Hoffnung breit. Doch das Imperium schlägt zurück und zwar mit der Massenvernichtungswaffe Pay-To-Win.

Wer jetzt aber einen Vergleich zwischen der heroischen online Gamer-Community und der Allianz zur Wiederherstellung der Republik erwartet hat, ist leider am falschen Platz. EA hat zwar mit ihren Microtransactions Battlefront II auf einen dunkeln Pfad geschickt, der Publisher hat sich aber auch die Kritik am ersten Teil zu Herzen genommen. Wie bereits erwähnt wurde auf Wunsch der Community wieder eine Einzelspieler-Kampagne eingeführt. Diese ist zwar keineswegs perfekt, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

Auch der Mangel an epischen Schlachten in kultigen Raumschiffen wurde von EA und DICE in Star Wars Battlefront II behoben. Die Spieler können nun endlich wieder in TIE-Fightern, Y-Wings und Co. abheben und vor atemberaubenden Kulissen Weltraumschrott aus ihren Gegnern machen. Solange diese Gegner echte Spieler sind, macht das auch richtig Spaß. Die KI ist hingegen leider kaum eine Herausforderung.

Endlich wieder Krieg im Weltall. ©EA

An manchen Stellen hat der neueste Ableger aber auch wieder einen Schritt zurück gemacht. Im Battlefront-Titel von 2015 erfreute sich beispielsweise die Möglichkeit, seine regulären Truppen optisch anzupassen, größter Beliebtheit. Einen Zabrak oder eine Twi’lek in die Rebellion führen zu können, hatte jedenfalls einen gewissen Reiz. In Battlefront II kann man nun nicht mal mehr zwischen männlichen oder weiblichen Truppen wählen und bekommt das, was von der Klasse vorgeschrieben wird. Dies wiederum führt dazu, dass auch ein großes 40 Spieler Gefecht von denselben vier Gesichtern auf jeder Seite geschlagen wird. In der, sonst wunderschön detaillierten, Welt lässt es einen leider nie vollständig in das Gefühl eintauchen, dass man sich inmitten einer Schlacht befindet, geführt von Individuen, die zweier unterschiedlicher Fraktionen angehören.

It’s a trap!

Mein größter Kritikpunkt ist aber ohne Zweifel das überarbeitete Sternkarten-System. Die einzige Möglichkeit, seine Einheiten abseits von neuen Blastern aufzurüsten, sind Karten, die man zufällig in Lootboxen erhalten kann. Gekauft werden die Boxen momentan mit in-game Credits. Zum Kauf angeboten werden drei verschiedene Kisten, mit Upgrades für Helden, Fahrzeuge und Einheiten. Letztere kostet mit 4,000 Credits beinahe doppelt so viel wie die anderen – da normale Einheiten aber viel öfter verwendet werden als Jedis und TIE-Fighter hat das schon seine Berechtigung.

Mit rund 200 Credits pro 15-Minuten Spiel kann man sich aber vorstellen, wie lange es dauert, um auch nur eine dieser Boxen kaufen zu können. Dafür dann auch noch eine zufällige Belohnung zu erhalten, unter denen sich eine lächerliche Siegerpose oder, noch schlimmer, ein Duplikat befinden kann, fühlt sich beinahe wie ein Blasterschuss ins Gesicht an. Die Sternkarten können aber auch mit einer sekundären Währung gebaut und bis zu drei Mal upgegraded werden. Die Kosten für das höchste Upgrade betragen dabei das zwölffache des ursprünglichen Preises und erfordern damit sehr langes Grinden. Noch schlimmer ist jedoch, dass die höheren Upgrades erst mit dem Leveln des Accounts freigeschalten werden. Um also eine Sternkarte für seine Lieblingsklasse verbessern zu können muss man Glück und Geduld haben. Ob man dabei diese Klasse auch spielt ist vollkommen unwichtig.

Einen Multiplayer-orientieren Shooter derart an zufälligen Inhalt und hohe Kosten zu binden führt zu relativ unausgeglichenen Spielen und teilt die Spielerbasis noch mehr auf, als es bereits der Season Pass des ersten Teils getan hat. Noch schlimmer wird es vermutlich, sobald EA die temporär deaktivierten Microtransactions wieder auf Battlefront II loslässt.

Nicht nur Rey erlebt mit Battlefront II eine böse Überraschung. ©EA

Temporär deaktiviert? Ja, ihr habt richtig gelesen. Dank dem großen Aufschrei unter der Gamer-Community hat EA den Erwerb von In-Game-Content für echtes Geld vorerst deaktiviert. Nachdem EA auf Reddit mit dem Kommentar mit den meisten Downvotes überhaupt in die Geschichte eingegangen ist („The intent is to provide players with a sense of pride and accomplishment […]“), wollen sie vermutlich den Sturm vorüberziehen lassen, um nach dem Weihnachtsgeschäft eine überarbeitete Version der Microtransactions zu präsentieren.

Dabei müssen Microtransactions und Lootboxen nicht immer schlecht sein. Blizzard macht’s mit Overwatch vor: In den Kisten befinden sich ausschließlich kosmetische Inhalte wie neue Skins für Helden oder Spielericons, die keinerlei Einfluss auf das Spielgeschehen haben. Ein Spiel aber gleichzeitig Pay-To-Play und Pay-To-Win zu machen, ist keine gute Idee.

Angeboten werden übrigens zwei Versionen für Star Wars Battlefront II: Die Standard Version um 59,99€ für PC und die bis zu 30€ teurere Elite Trooper Deluxe Edition. Für den höheren Preis erhält der Spieler aber lediglich früheren Zugriff auf das Spiel, vier Sternkarten, Blaster und zwei Outfits für Rey und Kylo Ren. Bis auf die beiden Skins kann alles im Basis-Spiel auch freigeschalten werden.

Pro:

  • Wunderschönes Kartendesign
  • Umwerfende Soundkulisse
  • Weltraum-Schlachten
  • Einzelspieler-Kampagne
  • Einheiten aus allen großen Konflikten der Filme

Contra:

  • Neue Sternkarten
  • Pay-To-Win
  • Keine Customization für Einheiten
  • Schlechtes Lootboxen-System

Fazit:

Wer schon immer einmal die schönsten Schauplätze des Star Wars-Universums besuchen wollte, dem bietet die Imperiale Navy genau diese Möglichkeit. Recht viel mehr als ein mittelmäßiger Shooter mit einem regelrecht bösen Upgrade-System steckt aber leider nicht dahinter. Bis EA offiziell eine endgültige Stellung zu ihren Microtransactions einnimmt und das Sternkarten-System überarbeitet, kann ich den Kauf von Star Wars Battlefront II nicht empfehlen. Wer dennoch nicht auf den neusten Star Wars-Titel verzichten will, sollte sich nach Angeboten umsehen. Dank der Kontroverse um das Spiel wird der Titel bei vielen Anbietern schon kurz nach dem Release vergünstigt angeboten.

Kuro ist unter anderem für den technischen Kram bei Motherbot zuständig. Wenn er nicht gerade über Musik schreibt, traut er sich als Bot auch an den ein oder anderen Artikel über Games. Sein erstes Taschengeld gab er für einen Gameboy Color mit Pokémon aus und danach ging's nur mehr bergab. Heute verbringt er den Großteil seiner Abende in Multiplayer-Spielen mit Freunden und fragt sich insgeheim, ob seine Freundin ihre Sims mehr liebt als ihn.