Styx: Shards of Darkness Review – Kleiner Goblin mit großem Maul

Indie PC PlayStation Review Xbox
Entwickler Cyanide Studio
Publisher Focus Home Interactive
Genre Stealth Adventure
Plattformen PS4, X1, PC

Styx: Shards of Darkness ist der Nachfolger zum erfolgreichen Stealth-Game Styx: Master of Shadows und wurde erneut von Cyanide Studios entwickelt. Am 14. März 2017 ließen die Franzosen den frechen Goblin Styx weltweit erneut auf PC, PlayStation 4 und Xbox One los.

Wie auch sein Vorgänger aus 2014, Master of Shadows, ist der neuste Teil ebenfalls ein Prequel zum Action RPG Of Orcs and Men, welches 2012 erschien. Shards of Darkness ist insgesamt das dritte Spiel, welches in dieser Fantasy-Welt angesiedelt ist. Getestet wurde das ganze übrigens am PC mit Xbox One Controller.

Meister der Schatten

Wie bereits erwähnt ist Styx: Shards of Darkness ein Schleich-Abenteuer, in dem wir die Geschichte des Goblins Styx weiter verfolgen können. Der zweite Teil punktet mit zahlreichen Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger, schafft es aber trotzdem die Atmosphäre beizubehalten. Doch nicht nur das Budget ist zwischen den beiden Spielen gewachsen, auch das Maul der kleinen Grünhaut ist um einiges größer geworden. So bricht Styx in Shards of Darkness regelmäßig die vierte Wand und beginnt mit dem Spieler zu reden. Oder ihn zu beschimpfen. Die Witze des Goblins sind vielleicht nicht jedermanns Humor, gehören aber eben zum liebenswürdigen (?) Charakter des Protagonisten. Zu böse darf man Styx dabei nicht sein, immerhin ist er der einzige Vertreter seiner Rasse, der sprechen kann.

Fast schon ein grüner Deadpool. © Screenshot

Wie gut Styx im Schleichen wirklich ist, hat sich leider auch beim Release des Games herausgestellt. Zwischen lange erwarteten Spielen wie dem neusten Zelda-Teil, Horizon Zero Dawn oder NieR: Automata ging Shards of Darkness regelrecht unter. Schade eigentlich, Styx braucht sich nämlich definitiv nicht im Schatten anderer zu verstecken. Aber auch dazu hat der boshafte Goblin etwas zu sagen, spart er doch nicht mit Seitenhieben auf andere Stealth-Games wie Assassin’s Creed, Dishonored oder Thief.

Von Goblins und Menschen

In Styx: Shards of Darkness verschlägt es den Goblin-Meisterdieb von der wenig ansehnlichen Menschen-Stadt Thoben nach Korrangar, der unterirdischen Hauptstadt der Dunkelelfen. Dort muss er herausfinden, was Zwerge und Dunkelelfen im Schilde führen. Letztere sind besonders fies, verehren gigantische Insekten als Götter und stellen sich ganz nebenbei auch als der Hauptgegner im zweiten Teil heraus. Am Weg dorthin findet Styx jedoch auch ungewöhnliche Verbündete: Die Schlächter-Trupps der Menschen. Diese sind eigentlich darauf spezialisiert Goblins zu jagen und auszurotten. Dem einzigen sprechenden Goblin können anscheinend auch sie nicht widerstehen.

Neues Setting bedeutet auch neue Gegner. Dieses Mal darf sich Styx mit gestaltwandelnden Elfen, gepanzerten Zwergen oder betrunkenen Piraten rumschlagen. Grundsätzlich gibt es in Shards of Darkness die verschiedenste Feinde, recht viel Unterschied macht dies jedoch letztendlich nicht. Das ist zwar schade, aber nicht weiter schlimm. Styx: Shards of Darkness ist in erster Linie immer noch ein Stealth-Game und Kämpfe sollten wenn möglich vermieden werden. Besonders auf höheren Schwierigkeitsstufen, da man dort schon mal mit einem Schlag ausradiert wird. Zum Glück fixiert Cyanide Studios im Nachfolger die Kamera nicht mehr auf den Gegner, so kann man nun jederzeit aus dem Kampf fliehen.

Der Skill Tree hat nun mehr zu bieten. © Screenshot

Das ist nur eine von vielen Verbesserung gegenüber des ersten Teils. Der Skill Tree hat inzwischen etwas Form angenommen und bietet dem Spieler die doppelte Anzahl an Upgrades. Auch den modrigen Kleiderkasten hat der Goblin ausgebaut, so kann man in Shards of Darkness zwischen verschiedenen Outfits und Dolchen wechseln. Diese sind nicht nur kosmetisch, sondern verleihen Styx auch neue Boni (und Mali). Weiters wurde ein Alchemie-System eingeführt, Crafting also. Hier kann sich der sympathische Goblin neue Waffen und Tränke herstellen, die ihm Mord und Totschlag erleichtern sollen. Überarbeitet wurden auch einige „Kleinigkeiten“ wie das Detection-System und die Kletterkünste des grünen Schurken.

Zwei Styx, doppelter Spaß

Das neue Leveldesign wirkt auf den ersten Blick wie eine der größten Stärken des zweiten Teils. Steampunk-Luftschiffe und düstere Städte unter der Erde, bei denen man sich immer weiter in die Höhe kämpfen kann. Diese sehen nicht nur wunderschön aus, sondern verlocken den Spieler auch dazu, mit dem kleinen Goblin hoch hinaus zu wollen. Dabei stößt man aber des öfteren auf Hindernisse, die gar keine sein sollten: Seile. In Shards of Darkness hat Styx nun endlich gelernt, Seile zu seinem Vorteil zu benutzen, so richtig schwingen wollen diese aber immer noch nicht. Mit etwas Aufwand ist das zwar machbar, nervt trotzdem. Der durchaus interessante Levelaufbau wird auch leider gegen Ende des Spiels immer mehr recycled.

Just me, myself and I. © Screenshot

Doch das nimmt auf keinen Fall die Lust am erneuten Durchspielen. Im Versteck des Goblins lassen sich jederzeit alle Missionen wiederholen, auf diese Weise kann man versäumte Medaillen oder sekundäre Aufgaben nachholen. Neben verschiedenen Schwierigkeitsstufen bietet Shards of Darkness nämlich auch Wertungen für Missionen an. Diese laden den Spieler ein, möglichst unentdeckt zu bleiben, keine Gegner zu töten und dennoch schnell ans Ziel zu gelangen. Die Styx-Serie zählt zurecht zu den härteren Schleich-Spielen, was vor allem Stealth-Fans begeistern wird. Alle anderen bekommen die Möglichkeit, mit einem Goblin Amok zu laufen und das Spiel (ohne Auszeichnungen) dennoch zu erleben. Das Spiel bietet zahlreiche Möglichkeiten an, wovon man viele erst beim zweiten oder dritten Durchgang entdeckt.

Ein Highlight von Styx: Shards of Darkness ist definitiv der Coop-Modus. Dieser lässt sich jederzeit aus dem Singleplayer heraus starten und ermöglicht es, alle Missionen des Spiels mit einem Freund zu erledigen. Der zweite Spieler übernimmt dabei die Kontrolle über einen Klon, hebt aber auch gleichzeitig die Schwierigkeitsstufe an. Die beiden Goblins helfen sich im Coop mindestens genauso oft wie sie sich in Probleme bringen. Das macht richtig Laune, artet aber vor allem anfangs oft in einem Gemetzel aus. Daran ist nicht zuletzt der starke Lag im Multiplayer schuld. Die kurze Verzögerung zwischen Host und Player 2 ist vorallem beim Schleichen ein echtes Ärgernis.

Pro:

  • gute Fortsetzung des ersten Teils
  • viele Verbesserungen
  • intuitive Steuerung
  • Stealth-Action vom Feinsten
  • Coop-Modus

Contra:

  • einige Bugs
  • kaum Unterschiede bei Gegnern
  • Levelaufbau wiederholt sich
  • schlechte Synchronisation bei Cutscenes
  • Lag in Coop

Fazit:

Styx: Shards of Darkness ist zwar kein AAA-Titel, fühlt sich aber beinahe wie einer an. Mit einem Preis von 39,99€ auf Steam liegt das Spiel etwas unter Blockbuster-Games und bietet dafür rund 15 Stunden Story und 9 Missionen mit Wiederspiel-Wert. Liebhaber des Stealth-Genres und Freunde des ersten Teils sollten nicht zwei Mal überlegen, aber auch Fans von Dark Fantasy sind in der Welt des sarkastischen Goblins gut aufgehoben.

Kuro ist unter anderem für den technischen Kram bei Motherbot zuständig. Wenn er nicht gerade über Musik schreibt, traut er sich als Bot auch an den ein oder anderen Artikel über Games. Sein erstes Taschengeld gab er für einen Gameboy Color mit Pokémon aus und danach ging's nur mehr bergab. Heute verbringt er den Großteil seiner Abende in Multiplayer-Spielen mit Freunden und fragt sich insgeheim, ob seine Freundin ihre Sims mehr liebt als ihn.