The Long Dark: Wintermute Review- Zurück in die Kälte

Allgemein Indie PC PlayStation Review Xbox
Release  01.08.2017
Genre Survival
Plattformen PC, XBox One, PS4
Entwickler Hinterland Studio Inc.
Publisher Hinterland Studio Inc.

Der Sandbox Mode von The Long Dark fesselte mich vom ersten Tag an und zog mich einfach in seinen Bann, wie ihr auch in meinen ersten Beitrag zum Spiel lesen konntet. Nach Jahren des Wartens gab Hinterland Studios am 1. August 2017 endlich The Long Dark: Wintermute, welches zwei von fünf Episoden beinhaltet, für XBox One und PC frei um den es auch heute gehen soll. Die Version für PS4 startet verspätet morgen, so heißt es zumindest. Ob sich das Warten gelohnt hat, könnt ihr jetzt lesen.

Flugzeugabsturz mit Folgen

In The Long Dark: Wintermute schlüpft in die Rolle von den Piloten Will Mackenzie, der in einem Sturm von Astrid aufgesucht wird, um sie in ein abgelegenes Gebiet zu bringen. Diese war früher von Beruf Ärztin und laut ihrer Aussage auf den Weg zu einem Patienten. Nach etwas hin und her erklärt sich Mackenzie bereit sie zu besagten Ort zu bringen. Während des Fluges fällt allerdings die gesamte Technik aus und er wacht auf einem verschneiten Hügel auf, ohne jegliche Spur von Astrid. Natürlich stellt man sich die Frage: wo ist sie hin und warum lässt sie ihn einfach zurück?

Selbst ein unangenehmer Flug kann hübsch aussehen! ©Screenshot

Aber zuerst muss das eigene Überleben gesichert werden und hiermit beginnt eine Art Tutorial, was für neue Spieler sehr angenehm sein dürfte. Man sammelt zuerst natürlich alles Notwendige wie Nahrung, Brennholz oder natürliche Mittel gegen diverse Wehwehchen, danach kann man sich langsam auf den Weg machen um Astrid zu folgen. Hierbei begegnete mir auch schon der erste Bug, der aber mittlerweile behoben wurde: ich spawnte direkt im Lagerfeuer und verbrannte mir meine Kleidung. Nach und nach begegnet man dann Überlebenden, die einem zu Beginn mit Misstrauen entgegen treten, denn Mackenzie ist nun mal ein Outsider.

Im Gespräch mit Grey Mother ©Screenshot

An dieser Stelle möchte ich nicht zu viel spoilern. Insgesamt wirkt der Storymode von The Long Dark: Wintermute  zwar stimmig, aber ich fürchte, dass es mich als Sandbox-Spielerin nicht wirklich fesseln kann. Während andere Wintermute relativ flott durchspielen, sammle ich fleißig und erkunde jeden kleinen Fleck. Teilweise findet ihr außerdem kleine Zettel der ehemaligen Bewohner, die euch einen kleinen Teil der Geschichte erzählen. Er ist nicht uninteressant, aber wirkt für mich eher als kleiner Bonus und nicht als Hauptgrund dieses Game zu spielen.

So many dumb ways to die

Ein wichtiger Punkt dieses Mal: in The Long Dark: Wintermute gibt es im Storymode keinen Permadeath. Als ich das für euch testen wollte, hab ich glücklicherweise nachher einfach beim letzten Save oder beim letzten Checkpoint restarten können. Es ist also nicht ganz so böse, wie der Sandbox Mode alleine. Eure wichtigsten Feinde sind mal eure menschlichen Bedürfnisse: Hunger, Durst, Temperatur und Schlaf. Diese Stats gilt es stabil zu halten sonst gibt es Einschränkungen wie verschwommenes Sehen oder man wird so erschöpft, dass man nicht mehr Rennen kann.

Ein Einblick in die Stats nach einem Konflikt mit einem Wolf ©Screenshot

Dann gibt es natürlich auch Fressfeinde wie Wölfe oder Bären und als ob das nicht genug wäre, müsst ihr auch eure Wehwehchen verarzten können. Einmal von zu hoch runtergesprungen und der Knöchel ist verstaucht oder abgelaufenes Essen gefuttert und schwupps, schon ist die Lebensmittelvergiftung da und man muss handeln. Dies funktioniert mit Bandagen, Schmerzmittel, Antibiotika etc. oder auch mit Schlaf. Je schlimmer die Verletzung, umso mehr Schlaf benötigt ihr um euch auszukurieren. Soweit ich weiß sind die Krankheiten aus den schwierigsten Modus der Sandbox nicht übernommen worden, sonst müsstet ihr noch zusätzlich gegen Parasiten durch Wolf- oder Bärenfleisch und Lagerkoller ankämpfen.

Nein, aus, böser Hund! Böser Hund! ©Screenshot

Zum Thema Schlaf noch etwas: man startet ohne einen Schlafsack, was ich etwas blöd finde, da man das Spiel nur speichern kann, wenn man schläft. Aber ohne Bett oder Schlafsack kann man eben kein Nickerchen einlegen. Daher fände ich es praktischer entweder einen Speicherbutton oder einen Schlafsack zu haben.

Positiv hervorheben möchte ich außerdem noch den grandiosen Soundtrack, der sich zwar nicht in den Vordergrund drängt, aber trotzdem die Szenen hervorragend ergänzt.

Verschwindet Käfer!

Bei meinen ersten Versuch, wie schon vorher erwähnt, stolperte ich auf einige Bugs. Einmal spawnt man im Lagerfeuer und ruiniert seine Kleidung, ein andere Mal gibt es einen unsichtbaren Wolf, der zwar rumknurrt, aber nie angreift. Dafür hat Hinterland Studios ein eigenes Board eingerichtet und innerhalb von kurzer Zeit waren die ersten Bugs behoben. Ebenso kümmern sie sich um allgemeine Beschwerden, wie zu wenig Äxte, und fügen dann welche hinzu. Das muss ich hier einfach nochmal hervorheben: Die Kommunikation zwischen dem Studio und den Spielern passt einfach.

Es kann ja so friedlich aussehen… ©Screenshot

Hierbei möchte ich noch kurz erwähnen, was sich seit meiner damaligen Review bei The Long Dark selbst verändert hat: komplett neue Menüführung, neue Möglichkeiten an Nahrung zu kommen (mit Steinen Hasen stunnen), mehr Maps, neue Krankheiten, Challenges, es gibt jetzt eine Karte der Umgebung, eigenes Crafting-Menü und viel mehr. Es hat sich wirklich nicht wenig getan in dem einen Jahr, aber einer meiner Kritikpunkte vom letzten Jahr ist noch immer aktuell: keinen eigenen Speicherbutton, wie ich bereits vorher erwähnt habe. Aber man kann ja nicht alles haben

Pro:

  • Sandbox Mode wird trotz Story weiterentwickelt
  • passende Umgebung mit einzigartiger Grafik
  • schnelle Behebung von Bugs
  • viele Freiheiten trotz Story Mode
  • Story wirkt nicht übertrieben

Contra:

  • noch immer kein Speicherbutton
  • als Sandbox Spieler packt einen die Story nicht genug

Fazit:

Tja, hat sich das Warten auf The Long Dark: Wintermute ausgezahlt? Ich glaube, dass ich die Frage nicht so leicht beantworten kann, denn für mich ist der Story Mode eher die Kirsche auf meiner Torte. Nett, wenn ich mal Abwechslung möchte, aber nach so vielen Spielstunden im Sandbox Mode habe ich eben genau diesen lieben gelernt, so gemein er auch ab und zu sein kann. Aber gerade für neue Spieler, die der reine Sandbox Mode eher abgeschreckt hat, kann dies der perfekte Einstieg sein. Denn im Gesamten ist The Long Dark: Wintermute leichter als der Sandbox Mode, daher auch etwas für Leute, die sonst nicht so oft Spiele aus den Survival Genre zocken.

Julia ist gerade in ihrer Ausbildung zur Haargärtnerin und großer Indie-Fan, wenn es um Games geht. Neben einigen alten Spielekonsolen teilt sie sich ihre Wohnung außerdem mit sechs beinlosen Mitbewohner und einem Zweibeiner namens Kuro.