The Surge Review: Ein Spiel für kybernetische Selbstverbesserer

PC PlayStation Review Xbox
Release 16.05.2017
Genre Action RPG
Plattformen PC, PS4, X1
Entwickler Deck 13
Publisher Focus Home Interactive

Früher im Jahr als erwartet serviert uns Deck 13 The Surge. Wir hatten in einem Preview bereits über die Demo berichtet, zu der nun auch die Vollversion vorliegt.

Eine kurze Google-Suche nach „The Surge“ in Verbindung mit „soulslike“ ergibt spontan 50.000 Ergebnisse und so manche Behauptung, es handle sich um eine Variante von Dark SoulsDeck 13 haben uns auch Lords of the Fallen gebracht, welches seinerzeit immer wieder mit den Souls-Spielen verglichen wurde. Natürlich gibt es auch diesmal Gemeinsamkeiten – es sind ja schließlich beides Action RPGs. Wir haben für euch auf der PlayStation 4 untersucht, welche neuen Wege der Titel in diesem Genre beschreitet und wie weit er dabei kommt.

Robotisches Dystopia

Die Welt, in der The Surge spielt, steht am Abgrund. Während freundliche Reklame noch die Heilung der Welt verspricht, kann man in jeder Richtung das Gegenteil erblicken. Doch nicht nur der Umwelt ging es schon mal besser: Auch die Gesellschaft hat den Abstieg mitgemacht. Gerade jetzt, wo ein Menschenleben nur noch so viel wert ist, wie es leisten kann, sieht sich unser Protagonist Warren dazu genötigt, sich ein robotisches Exoskelett anlegen zu lassen, um bei der Arbeit für das Unternehmen CERO mithalten zu können.

The Surge Werbematerial

Es wäre fast schon eine freundliche Umgebung, wenn Feinde nicht so viel darin investieren würden, einen durchzusägen. © Deck 13

Weitere Details zum inhaltlich überraschenden Einstieg in das Spiel sparen wir hier aus. Tatsächlich hält der Anfang jedoch einige verblüffende Kniffe bereit. The Surge legt viel Wert auf indirekte Vermittlung von Inhalten. Oft wird nicht ausführlich erzählt, was Sache ist; klar wird es trotzdem schnell. Audio-Logs ergänzen dabei die wenigen Dialoge und Szenen. In aller Kürze vermitteln sie doch starke Eindrücke davon, was eigentlich vor sich geht.

You Died

Doch nun zu den Kern-Mechaniken des Spiels. Ein Action RPG lebt ja bekanntermaßen vom Gameplay. In The Surge bekommt ihr zu jedem Themenkreis eine knappe Einführung: Kamerasteuerung, vertikale und horizontale Hiebe, Blocken, Craften, Ausrüsten, … jedes Thema wird in Grundzügen erklärt, jedoch nicht zu sehr ausgeführt. Das Spiel bittet stattdessen darum, doch einfach selbst zu experimentieren. Der Ansatz gelingt: Ohne zu sehr an die Hand genommen zu werden bekommt man genug Schubs in die Welt, um sich die Feinheiten selbst zu erschließen.

Zunächst merkwürdigerweise schweben solche Spielanleitungen übrigens oft einfach an Wänden. Dafür gibt es keinen Grund. Ebenso wenig wird erklärt, warum ihr nach dem Tod wieder aufersteht, euer gesammeltes Material aber trotzdem noch am Todesort herumliegt. Künstliche Rechtfertigungen für Gameplay-Elemente gibt es nicht. Praktikabilität und Spielspaß stehen öfter mal im Vordergrund, etwa auch, wenn es ums Loot geht.

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Waffen, Gegner und Leveldesign versprühen neben Funken immer auch einen industriellen Charme. Schließlich kamen wir ja eigentlich wegen einer neuen Arbeitsstelle hierher. © Deck 13

Im Kampf gilt es vor allem, seine eigene Ausdauer im Blick zu behalten. Ausweichen ist in der Regel wichtiger als Abblocken, und wer zu oft zuschlägt, hat keine Ausdauer mehr, um selbst auszuweichen. Hierfür bekommt man gegen einfache Gegner schnell ein Gespür; das Spiel kommt jedoch schnell damit nach auch kniffligere Situationen einzuwerfen.

Selbstverbesserung

Anders als in anderen Spielen gleicher Bauart ist hier, dass nicht nur ein Gegner generell angepeilt werden kann, sondern auch eine Körperstelle. Nachdem ihr Arm, Bein, Kopf oder Rumpf im Fokus habt, geht es los – doch nicht jede Art von Hieb trifft überall gleich hart. Ungeschützte Körperteile nehmen mehr Schaden – doch wenn ihr etwa auf einen Helm einprescht, könnt ihr ihn danach in einem Finishing Move mit höherer Wahrscheinlichkeit abtrennen und ergattern. Und damit kommen wir zum nächsten großen Thema bei The Surge: Modifkationen.

The Surge Werbematerial

Aufruf zum Tanz. © Deck 13

Mit Schrott erhöht ihr euer Level und damit das Energieniveau eures Anzugs. Das erlaubt zum Beispiel das Öffnen mancher Türen, die durch den Energiekern überlastet werden können. Weiterhin belegt das Anlegen von Rüstungsteilen und Implantaten Energiepunkte. Hier gilt es diese geschickt zu verteilen, um eine funktionstüchtige Figur zusammenzubasteln.

Ein bisschen Crafting gehört auch dazu. Die gesammelten ramponierten Rüstungsteile von Gegnern können zusammen mit etwas Schrott zu frischer Ausrüstung gemacht werden. Die Jagd nach Teilen bereichert dabei auch gleich ein wenig den Kampf.

Fazit

Für Fans des Genres wird The Surge ein Pflichttitel sein. Das Gameplay sitzt und hält mit vielen Modifikationen bei Laune, die Steuerung ist von kleineren Hakeligkeiten abgesehen gut gelungen. Die Umgebung wird nicht so schnell langweilig, wie man beim industriellen Themen erwarten würde. Dies gelingt durch rege Abwechslung von Innen- und Außenbereichen, ramponierten Gebäuden und intakten Arbeitsumgebungen, dunklen Kammern und hell erleuchteten Plätzen. Die Audio-Logs sind atmosphärisch vertont und passen sich gut in die Klangkulisse ein.

Spieler, die einfach nur entspannt draufkloppen wollen, kommen allerdings weniger auf ihre Kosten. Der Titel erfordert schon ein recht konzentriertes Vorgehen. Man muss hier – wie bei solchen Spielen oft üblich – auch mal verlieren können.

Anstelle einer Story wird hier übrigens das Szenario bewertet. Oft geschieht nämlich wenig erzählerische Handlung; stattdessen liegt der Fokus auf der Erkundung einer detaillierten Welt.

D. Sen hasst Videospiele und moderne Medien überhaupt. Er schreibt Videospiel-Reviews, weil kein Verlag seine richtigen Bücher veröffentlicht.