Yooka-Laylee Review: Revival oder Recycle?

Nintendo PC PlayStation Review Xbox
Release 11.04.2017
Genre Platformer, Jump’n’Run
Plattformen PS4, X1, Switch, PC, Linux, Mac
Entwickler Playtonic Games
Publisher Team 17

Das via Kickstarter finanzierte Banjo-Threeie Yooka-Laylee verspricht eine Mischung aus Banjo-Kazooie und Donkey Kong Country zu sein. Eine Kopie kann man den Machern also schlecht vorwerfen – schließlich war der Titel so beworben und wurde für knapp 2,5 Millionen Euro auch so bestellt.

Viel interessanter also: Funktioniert das Spielprinzip auch heute noch? Letztlich sind seit der Veröffentlichung des Originals im Geiste, Banjoo-Kazooie, gut 19 Jahre vergangen. Können Playtonic Games ihr Versprehen also halten? Immerhin haben erfahrene Ehemalige des Rare Teams, das uns den Jump’n’Run Fun mit dem Bären bescherte, mitgewirkt.

Wir haben das Spiel auf der PlayStation 4 mal näher ausgeleuchtet.

Mehr BK als DK

Vor allem orientiert sich Yooka-Laylee an Banjo-Kazooie. Einige Einflüsse aus Donkey Kong Country sind zwar spürbar, beschränken sich aber fast nur auf die Lorenfahrten. Was macht man jetzt also in diesem Spiel? Für die, die die Vorbilder nicht kennen: Mit einem Duo, das sich wie eine Figur verhält, lauft ihr durch die Gegend, sammelt Dinge, löst kleine Rätsel und hüpft euch durch die Level.

Yooka-Laylee, Screenshot

Das drollige Duo düst durch’s Debut. Die Umgebungen sind fröhlich-knallbunt. © Playtonic Games 2017

Verschiedene Fähigkeiten bereichern dabei euer Repertoire, und nach und nach könnt ihr euch neue Moves dazuverdienen. Rollen, Sinkflüge und besonders hohe Sprünge – es gibt hier einiges zu erlernen. Eure Echse Yooka kann sich auch verschiedene Umwelteffekte zunutze machen und etwa mit Feuer und Wasser hantieren.

Ode an die Knallbuntheit

Diese trotz dunkler Mächte doch sehr freundliche Welt ist von vielen Charakteren durchzogen, die vor allem durch drolliges Design glänzen. Sonderlich tiefgehend sind die Dialoge aber nicht – es wäre auch überraschend gewesen. Viel mehr handelt es sich oft um mittelplatten Humor, gern auch selbstironisch. Zum Teil unterhält dies, zum Teil wird es schon aufdringlich: Wenn man sich allzu oft darauf bezieht, dass wir ja „in einem Spiel“ sind, nutzt sich der Scherz leider schnell ab.

Das tut dem Spielspaß keinen wirklich Abbruch, zumal die Dialoge oft nur keckes Beiwerk sind. Im Wesentlichen geht es natürlich um’s Herumhüpfen und manische Sammeln aller Dinge, die irgendwie glänzen. Das Spiel ist dabei mechanisch weitgehend solide, aber nicht hervorragend – und das ist für einen Platformer ein viel größeres Problem.

Yooka-Laylee, Screenshot Trowzer

Die Schlange Trowzer verhökert neue Fähigkeiten an euch. © Playtonic Games 2017

So konnte ich mich öfter an Herausforderungen vorbeiglitchen, obwohl notwendige Fähigkeiten noch gar nicht eingekauft waren. Auch hindert einen die Kamera öfter daran, wirklich Durchblick zu bekommen, indem sie an bestimmten Winkeln einfach blockiert – etwa durfte ich deshalb öfter einfach nicht über Klippen gucken, um zu erspähen, was unter mir ist.

Bei einem der Mini-Bosse fiel ich öfter runter – was prompt damit geahndet wurde, dass ich an den Anfang des ganzen Levels zurückgesetzt wurde. Die eigentliche Herausforderung aber war der Boss, nicht fünf Minuten zu ihm zu watscheln. Das kann schon mal frustrierend werden.

Die Pflicht ruft

Einige Aspekte des Spiels vermitteln weiterhin den Eindruck, dass es sich bei ihnen um Pflichtteile handelt, die eher abgearbeitet wurden. Der Multiplayer etwa kommt eher lieblos rüber und erinnert an eine seichte Kopie einiger Mario Party Level. Auch der zugehörige Rap wirkt eher gezwungen.

Hier haben die Macher bei Kickstarter über ihre Versprechen vielleicht mehr Geld einkassiert, sich aber auch selbst ein Bein gestellt, als es um die Umsetzung ging. Entwicklungszeit, die auch gut in das Aufpolieren des Hauptspiels hätte fließen können. Womöglich hätte es dann aber wieder an Budget gefehlt; Kickstarter haben’s nicht leicht!

Yooka-Laylee, Screenshot Multiplayer

Zwei Minuten Punkte sammeln und nicht runterfallen. Der Multiplayer ist zu guten Teilen eher uninspiriert. © Playtonic Games 2017

Dem gegenüber stehen interessante Spielereien mit Level-Design. Etwa gibt es eine isometrische Festung, in der die Kamera nicht gesteuert werden kann und ihr aus fester Perspektive Räume erkundet. Solche Ideen kommen über die Level verteilt immer wieder auf und bereichern die Spielerfahrung.

Soundtechnisch ist der Titel übrigens sehr nah an der Vorlage. An manchen Stellen glaubte ich kurz, sie hätten direkt die Musik aus Banjo-Kazooie übernommen. Dass die Charaktere mit Quak- und Grunzlauten in verschiedenen Tonhöhen brabbeln, erinnert zwar ans Original, war dort aber angenehmer für’s Ohr. Gerade am Anfang, wo viel gesprochen wird, ist das „Borp Borp Borp Borp“ unangenehm aufgrindlich.

Fazit

Yooka-Laylee liefert ziemlich genau das, was es verspricht: Einfach einen Platformer, der sich fast genauso spielt wie Banjo-Kazooie. Dabei gibt es stärkere und schwächere Momente; frische Ideen kommen ein paar dazu, manches wirkt aber auch lieblos oder veraltet. Die Story zu bewerten, die hier bei der Bewertung deutlich negativer ausfallen würde, macht jedoch bei dem Spielprinzip wenig Sinn. Deshalb bleibt es unter’m Strich ein solider Platformer, der sich gerade für Fans des Genres lohnt, die mal etwas Abwechslung wollen. Ebenso gut kann man aber auch auf die Originale zurückgreifen, die in vielen Aspekten ausgereifter waren.

Der Titel schwingt derzeit, je nach Plattform, um die 30-40 Euro, und schlägt je nach Spielstil mit etwa 12-20 Spielstunden zu Buche.

D. Sen hasst Videospiele und moderne Medien überhaupt. Er schreibt Videospiel-Reviews, weil kein Verlag seine richtigen Bücher veröffentlicht.